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Nebenwirkungen von Psychopharmaka: Tipps für die Praxis

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) von Psychopharmaka – in erster Linie Antidepressiva und Antipsychotika (Neuroleptika) – stellen nicht nur die Adhärenz des Patienten auf eine Belastungsprobe. Wenn nicht adäquat darauf eingegangen wird, können sie auch das therapeutische Verhältnis beschädigen.

Manche Patienten sind deutlich empfänglicher für UAW. Die Ursachen können psychischer Natur sein, z. B. Panikstörungen oder generalisierte Angsterkrankung. Aber auch eine veränderte Pharmakokinetik kann ursächlich sein, z. B. durch Interaktionen mit anderen Medikamenten oder verlangsamten Abbau („Poor Metabolizer“ aufgrund eines entsprechenden Cytochrom-P450-Polymorphismus, zumeist CYP 2D6 Poor Metabolizer).

Leicht können aber auch im Rahmen eines abrupten Therapiewechsels, insbesondere von einem Antidepressivum zu einem Anderen, vegetative Symptome, als Nebenwirkung des neuen Medikamentes, fehlinterpretiert werden. Sie müssen von Absetzsymptomen („Discontinuation Symptoms“) des vorherigen Antidepressivums unterschieden werden.

Einige UAW von Psychopharmaka treten meist nur zeitlich begrenzt zu Therapiebeginn auf, z. B. Übelkeit bei Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Dann kann ein Zuwarten, sofern für den Patienten akzeptabel, gerechtfertigt sein.

Meist wird eine Dosisadaption, ein Wechsel der Galenik (z. B. auf Retardpräparate) oder eine Veränderung der Einnahmemodalität (z. B. Einmaldosis zur Nacht bei sedierender Nebenwirkung) erforderlich sein. Ergibt sich hierdurch keine Besserung, so bleiben im Wesentlichen 3 Alternativen:

  • ein Wechsel auf ein Alternativpräparat,
  • der Versuch einer Abmilderung der UAW durch eine Zusatzmedikation als „Antidot“ oder
  • verhaltensmodifizierende Maßnahmen.

Zielgruppe sind insbesondere Patienten, die von einer Therapie sichtbar profitieren und bei denen ein Therapiewechsel riskant erscheint oder bei denen es keine oder nur schlechtere Alternativen gibt.

Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich ausdrücklich auf häufige UAW, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Sie gelten aber nicht für schwere UAW, die tödlich oder potenziell lebensgefährlich sind oder zu Organschäden mit der Konsequenz bleibender Behinderung führen können (Definition „Severe adverse drug reaction“ der EMA, CPMP/ICH/377/95, Juni 1995). Hinsichtlich des Auftretens dieser selteneren und schweren Arzneimittelnebenwirkungen sei auf Standardlehrbücher der Psychopharmakologie verwiesen.

Im Folgenden möchten wir teils aus der Literatur, teils aus der eigenen klinischen Erfahrung gewonnene Strategien zur Beherrschung von häufigen UAW vorstellen – insbesondere für die Situation, wenn eine Dosisreduktion oder ein Absetzen des Medikamentes nicht infrage kommt.

Übelkeit ist eine der häufigsten UAW zu Therapiebeginn, insbesondere bei

  • serotonerg wirksamen Medikamenten, wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI, via Stimulation von 5-HT3-Rezeptoren) oder
  • dopaminergen Medikamenten, z. B. Pramipexol oder L-Dopa, aber auch z. B. Bupropion (via Stimulation von D2-Rezeptoren der Area postrema im Hirnstamm).

Langsame Titration und Einnahme nach den Mahlzeiten kann das Risiko medikamenteninduzierter Übelkeit halbieren. Patienten mit vorbestehenden gastrointestinalen Problemen, z. B. einer Refluxoösophagitis, scheinen für Übelkeit anfälliger zu sein. Die gleichzeitige Gabe eines Protonenpumpeninhibitors, z. B. Omeprazol, kann hilfreich sein.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Nebenwirkungen von Psychopharmaka: Tipps für die Praxis

Aus der Zeitschrift DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift 22/2017

   

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