• Giardiasis-Entertitis

    Giardiasis-Enteritis. Auf der Zottenoberfläche sind zahlreiche sichelförmige Trophozoiten erkennbar.

     

Gastrointestinale und biliäre Parasitosen – Update

Viele parasitäre Infektionen bleiben über längere Zeit undiagnostiziert, weil sie oft unspezifische Symptome verursachen, aber auch weil nicht daran gedacht wird. Parasitäre Darmerkrankungen sind bei uns selten, was ein Grund für eine oft verzögerte Diagnosestellung sein kann. Zudem werden parasitäre Erkrankungen in der Regel mit subtropischen oder tropischen Regionen assoziiert. Die heutige Mobilität mit häufigen Auslandsreisen, globale Migration sowie Import von tropischen Früchten erzeugen jedoch neue Rahmenbedingungen, sodass parasitäre Krankheiten auch bei uns häufiger vorkommen. Nicht alle parasitären Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes sind importiert, sondern sie können auch direkt durch engen Tierkontakt vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Die wichtigsten parasitären Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes und der Leber werden im Folgenden vorgestellt.

Unterschiedliche Lebenszyklen. Im Gastrointestinaltrakt und im Gallengangsystem nisten sich Protozoen (Einzeller), Fadenwürmer (Nematoden), Bandwürmer (Cestoden) und Saugwürmer (Trematoden) ein. Bandwürmer und Saugwürmer gehören zu den Plattwürmern. Die Fortpflanzung der Bandwürmer ist zweigeschlechtlich; sie produzieren durch gegenseitige Befruchtung zahllose Nachkommen. Es kommt aber auch häufig zu einer Selbstbefruchtung, bei der Samenzellen aus Proglottiden des vorderen Körperabschnittes die Eizellen in den Eierstöcken der Proglottiden des hinteren Körperabschnittes befruchten. Nachdem die befruchteten Eier in den Darm des Wirtes gelangen, werden sie in den Faeces nach außen befördert. Hier verbleiben sie, bis sie von einem geeigneten Zwischenwirt aufgenommen werden. Aus den Eiern schlüpfen die Larven der Bandwürmer.

Die Saugwürmer sind durchgehend Endoparasiten mit komplexen Lebenszyklen; sie gehören zu einer Klasse von parasitär lebenden Plattwürmern. Die als Adernegel bekannten Saugwürmer befallen das Blut von Menschen und verursachen das in tropischen Klimazonen verbreitete Bild der Schistosomiasis bzw. Bilharziose.

Epidemiologie und Nachweis. Wie bereits erwähnt, sind parasitäre Erkrankungen generell viel häufiger in tropischen und subtropischen Ländern zu finden und weniger in Europa und den industrialisierten Ländern. Die verstärkte Reisetätigkeit und die Immigrationsbewegungen haben aber dazu geführt, dass auch bei uns vermehrt parasitäre Krankheiten auftreten. Die Häufigkeit von parasitären Erkrankungen ist bei uns unklar, da es keine genauen Register zu den verschiedenen Krankheiten gibt und für die meisten Erreger keine Meldepflicht besteht.

Die Anzahl der nicht oder erst verzögert diagnostizierten Fälle ist relativ hoch, weil nicht daran gedacht wird. Der Verdacht muss sich aus der Anamnese ergeben: Aufenthalt in den Tropen oder Subtropen, chronisch rezidivierende Stuhlunregelmäßigkeiten oder eine unerklärte Eosinophilie sind Hinweise für eine Parasitose. Die Diagnose ist in der Regel relativ einfach: In den meisten Fällen genügt es, 3 Stuhlproben in einer SAF- (sodium acetate acetic acid formalin) Lösung aufbewahrt zu analysieren. Der Stuhl sollte aber untersucht werden, bevor Medikamente (Antibiotika, Medikamente gegen Parasiten, Wismut etc.) verabreicht werden, weil sonst falsch negative Testergebnisse erzeugt werden können.

Übertragung. Parasiten gelangen über unsauberes Trinkwasser oder kontaminierte Lebensmittel in den Körper oder werden direkt fäkal-oral übertragen. In Tab. [1] sind wichtige Risiken und entsprechende Erreger zusammengestellt. Bei Immigranten aus Entwicklungsländern können Parasiten in bis zu 60 % nachgewiesen werden, wobei Asylsuchende aus Subsahara-Afrika und aus Südostasien am stärksten betroffen sind.

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Aus der Zeitschrift Gastroenterologie up2date 2/2015

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