• COPD – Stellenwert der Lungenfunktionsanalyse in Diagnostik und Therapie

     

COPD – Stellenwert der Lungenfunktionsanalyse in Diagnostik und Therapie

Die neuen GOLD-Empfehlungen zur chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sollen helfen, für jeden Patienten die geeignete Therapie zu finden. Allerdings werden hierbei z. B. geschlechts- und altersabhängige Unterschiede vernachlässigt, obwohl die Referenzwerte der Global Lung Initiative (GLI) diese bereits berücksichtigen. Der folgende Standpunkt beleuchtet den Stellenwert der Lungenfunktionsanalyse in Diagnostik und Therapie der COPD.

Die COPD ist charakterisiert durch:

  • eine gesteigerte Entzündungsreaktion im Bereich der kleinen Atemwege (obstruktive Bronchiolitis),
  • die Destruktion von Lungengewebe (Lungenemphysem) und
  • einer verminderten Elastizität der Lunge und Atemwege (Lungenüberblähung, Hyperinflation).

Der relative Beitrag der pathophysiologischen Prozesse zum Krankheitsbild ist sehr variabel. Die funktionellen Einschränkungen im Rahmen der heterogenen Entität COPD können daher sehr unterschiedlich sein.

Diagnostik

Obstruktive Ventilationsstörung

Eine nicht vollständig-reversible obstruktive Ventilationsstörung kann spirometrisch diagnostiziert werden. Der Nachweis wird über die Reduktion des Tiffeneau-Index FEV1/FVC (FEV1: forciertes exspiratorisches Volumen in 1 s, FVC: forcierte Vitalkapazität) nach vorheriger Gabe von Bronchodilatatoren (i. d. R. 15 Minuten nach Inhalation von 400 µg Salbutamol) geführt. Dieser Nachweis ist die Grundlage für die Diagnose COPD.

Merke: Ist nach der Bronchodilatation keine obstruktive Ventilationsstörung mehr nachweisbar, handelt es sich um ein Asthma bronchiale. 

Interpretation nach GOLD

Die Global Lung Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) empfiehlt als Definition für eine obstruktive Ventilationsstörung die Reduktion des Tiffeneau-Index FEV1/FVC auf unter 0,7. Dieser Empfehlung folgen weltweit nahezu alle pharmakologischen Studien.

Interpretation nach der Leitlinie

Die Diagnose einer obstruktiven Ventilationsstörung ergibt sich nach den Referenzwerten der Global Lung Initiative (GLI) der European Respiratory Society (ERS). Der untere Grenzwert für den Tiffeneau-Index wird auch „lower limit of normal (LLN)“ genannt. Der LLN wird durch die 5. Perzentile des Frequenzspektrums der in der Referenzpopulation gemessenen Werte bestimmt. Werte unterhalb dieses Grenzwertes gelten – mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von unter 5 % – als pathologisch.

Diese neuen Referenzwerte zeigen (wie auch schon die älteren Referenzwerte), dass der LLN des Tiffeneau-Index sowohl geschlechts- als auch altersabhängig ist: So liegt der LLN bei 80-jährigen Männern knapp über 0,6 und ist bei Frauen geringfügig höher. Würde man die von GOLD empfohlene fixe Grenze von 0,7 anwenden, käme es bei älteren Patienten also zu falsch-positiven COPD-Diagnosen. Der LLN ändert sich auch bei Patienten mit COPD durch den Reversibilitätstest mit Bronchodilatatoren nur unwesentlich


Interpretation GOLD vs. Leitlinie 

Die Interpretation nach GOLD mit der fixen Grenze von 0,7 ist ohne wissenschaftliche Grundlage.

Die Interpretation nach der Leitlinie bezieht sich auf die GLI-Referenzwerte. Es handelt sich dabei um die Auswertung von über 74 000 Spirometrien gesunder Nie-Raucher bei Messung nach international gültigen Qualitätsstandards. Mit diesen GLI-Sollwerten stehen für die aktuelle europäische Bevölkerung realistische, repräsentative Werte zur Beurteilung der Spirometrie zur Verfügung.

Die Interpretation nach GOLD führt gerade bei älteren Patienten zu einer Fehldiagnose COPD!

Merke: Der spirometrische Nachweis einer obstruktiven Ventilationsstörung sollte durch Bestimmung des LLN nach den Referenzwerten der GLI erfolgen. Die Normalwerte und der untere Grenzwert sind über ein Software-Programm zu ermitteln. Dieses kann kostenlos unter www.lungfunction.org heruntergeladen werden. 

Bestimmung des Schweregrades der obstruktiven Ventilationsstörung

Bestimmung nach GOLD

Der Schweregrad der obstruktiven Ventilationsstörung wird durch das post-bronchodilatatorische FEV1 in Prozent des Sollwertes angegeben: Liegt das FEV1 > 80 % des Sollwertes, handelt es sich um einen leichten Schweregrad der Obstruktion, von 50 – 80 % besteht ein mittelgradiger, von 30 – 50 % ein schwerer und < 30 % ein sehr schwerer Schweregrad.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: COPD – Stellenwert der Lungenfunktionsanalyse in Diagnostik und Therapie

Aus der Zeitschrift: DMW 08/2018

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