Antikoagulation nach gastrointestinaler Blutung fortführen?

  • Antikoagulation Warfarin DMW

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Ist es besser, nach einer gastrointestinalen Blutung unter Warfarin die orale Antikoagulation komplett abzusetzen oder wieder fortzuführen? Mit dieser Frage beschäftigten sich nun D. M. Witt et al. Arch Intern Med 2012; 172: 1484-1491

Die Autoren nahmen in ihre retrospektive Analyse Patienten auf, die unter einer Therapie mit Warfarin zwischen 2005 und 2008 eine gastrointestinale Blutung erlitten hatten. Primäre Endpunkte waren thromboembolische Ereignisse, gastrointestinale Rezidivblutungen und Tod jeglicher Ursache während der ersten 90 Tage nach der Indexblutung. Außerdem sammelten die Autoren Daten zum Gerinnungsstatus und zu Unterbrechung, Wiederaufnahme oder Beendigung der Antikoagulation. Sie unterschieden dabei zwei Gruppen von Patienten: solche, die nach der Indexblutung die orale Antikoagulation wieder aufnahmen und solche, die die Therapie beendeten.

Insgesamt gingen 442 Patienten im Durchschnittsalter von 74,2 Jahren in die Analyse ein, davon 50,2% Männer. Die mediane International Normalized Ratio bei der Indexblutung betrug 3,0. Nach der gastrointestinalen Blutung setzten 260 Patienten (58,8%) die orale Antikoagulation wieder fort, darunter 41 Patienten, die sie niemals ausgesetzt hatten. Die mediane Zeit bis zur Wiederaufnahme der Warfarin-Therapie lag bei 4 Tagen. Setzten die Patienten die Antikoagulation fort, war dies mit einem niedrigeren Risiko für thromboembolische Ereignisse (Hazard Ratio [HR] 0,05, 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,01-0,58) und Tod (HR 0,31, 95%-KI 0,15-0,62) assoziiert. Das Risiko für erneute gastrointestinale Blutungen war dabei insgesamt nicht signifikant erhöht (HR 1,32, 95%-KI 0,50-3,57). Die Rate an Rezidivblutungen war verglichen mit allen anderen Patienten jedoch signifikant erhöht, wenn die Antikoagulation wieder innerhalb von 1 bis 7 Tagen nach der Indexblutung begonnen worden war (6,25% vs. 12,4%, p=0,03). Dabei verlief keine Rezidivblutung tödlich. Die mediane Zeit bis zur Rezidivblutung betrug 27 Tage.

Fazit
Beginnt man nach einer gastrointestinalen Blutung unter Warfarin die Antikoagulation nicht wieder innerhalb von 90 Tagen, so geht dies mit einem erhöhten Risiko für Thromboembolien und Tod einher. Für die meisten Patienten nach Warfarin-assoziierter gastrointestinaler Blutung überwiegen bei einer Fortsetzung der Antikoagulation die Nutzen die Risiken, so die Autoren.

Dr. med. Johannes Weiß, Bad Kissingen; DMW

Sponsoring: Die Studie wurde von einer Pharmafirma finanziert.

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