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Simulationstraining in der Geburtshilfe

Seit einigen Jahren gibt es die Möglichkeit, geburtshilfliche Notfallsituationen in einem Simulationskreißsaal zu trainieren. Welche Erfahrungen wurden mit diesem Trainingsmodell in der Praxis gemacht? Ist ein Simulationskreißsaal sein Geld wert?

Notfälle im Kreißsaal führen zu einem dramatischen Anstieg der perinatalen Morbidität und Morbidität. So ist bei einer vorzeitigen Plazentalösung, einem Nabelschnurvorfall oder einer Uterusruptur eine möglichst rasche Therapie erforderlich, um katastrophale kindliche Entwicklungsstörungen zu vermeiden. Aber auch die Gebärende ist in vielen Fällen durch Notfallsituationen lebensbedrohlich gefährdet. So ist bei einer Fruchtwasserembolie, einer Leberruptur beim HELLP-Syndrom oder einer schweren postpartalen Blutung der Krankheitsverlauf meist ganz wesentlich vom kompetenten Ablauf der Therapiemaßnahmen abhängig.

Erschwerend kommt in diesen Situationen hinzu, dass viele Erkrankungen so selten sind, dass viele Teams den Notfall (z. B. eine Fruchtwasserembolie) das erste Mal gemeinsam erleben und daher wenig praktische klinische Erfahrung mit dem Ablauf der Therapiemaßnahmen haben. Die gute Nachricht lautet:

Die meisten Fehler, die in der Betreuung von Notfallsituationen gemacht werden, entstehen nicht aufgrund von fachlicher Unzulänglichkeit, sondern haben ihre Hauptursache in einer unzureichenden Zusammenarbeit des betreuenden Teams.

Diese sogenannten „non-technical skills“, wie Unklarheiten in der Rollen- und Aufgabenverteilung, fehlende oder mangelhafte Kommunikation und unzureichende Priorisierung bei der Ausführung von klinischen Tätigkeiten spielen in der Fehleranalyse eine entscheidende Rolle.

Das Erlernen der richtigen Kommunikation zwischen Gynäkologen, Hebammen, Pädiatern und Anästhesisten ist eine entscheidende Grundvoraussetzung, um diese Notfallsituation zu meistern.

Diese Zusammenarbeit kann trainiert werden und es gibt ausreichend Daten die belegen, dass dieses Training absolut sinnvoll ist.

Da Notfallsituationen in der Flugmedizin meist katastrophale Folgen haben, hat das Training von Notfällen in der Luftfahrt eine lange Tradition. Erschwerend für das betreuende Flugpersonal kommt ja bei einem Flugunfall hinzu, dass auch das Team mit dem Piloten beim Absturz gefährdet ist. Beim geburtshilflichen Notfall trifft die körperliche Schädigung oder der Tod primär das Kind oder die Mutter und nicht das Team. Das mag vielleicht mit ein Grund sein, warum die optimale Umsetzung von Notfällen in der Geburtshilfe im Vergleich zur Flugindustrie noch in den Kinderschuhen steckt.

Das Lernen aus Fehlern in Notfallsituationen war in der Vergangenheit auch dadurch erschwert, dass es keine effiziente Kultur der Fehleranalyse gab. Fehler wurden meist Personen zugeordnet, die in der hierarchischen Klinikstruktur an der untersten Stufe standen. Man hatte dann meist einen Schuldigen gefunden, den man bei dramatischen Fehlern dann austauschen konnte, um eine Konsequenz gezogen zu haben. Da man jedoch die Hauptursache, die fehlerhafte Kommunikation, nicht verbessert hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis der Fehler wieder aufgetreten ist.

Die Ziele eines Simulationstrainings in der Geburtshilfe, das die Sicherheit für Mutter und Kind erhöht, sind im Wesentlichen drei Punkte:

  1. Schaffung von fachlicher Kompetenz
  2. Training von Notfallsituationen
  3. Effiziente Fehleranalyse

Lesen Sie hier den vollständigen Beitrag Simulationstraining in der Geburtshilfe – lohnt sich der zeitliche Aufwand? von Prof. Dr. Franz Kainer.

Aus der Zeitschrift Die Hebamme 01/2013.

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Forum Hebammenarbeit 2018 - Leipzig (29.-30.03.19) und Wiesbaden (08.-09.11.19) - Hebammenarbeit - Georg Thieme Verlag - Prof. Dr. Franz Kainer Notfälle im Kreißsaal

In seinem Vortrag stellt Prof. Dr. Kainer typische Szenarien eines Simulationstrainings vor und zeigt Konzepte auf, wie eine Umsetzung des Trainings in den klinischen Alltag möglich ist.

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Quelle

Die Hebamme
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