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Körperlich-seelische Berührungen im Fokus der Psychoneuroimmunologie

Die Psychoneuroimmunologie zeigt, dass Berührungs- und Bindungserfahrungen in der Kindheit unser Stresserleben und -verhalten bis ins hohe Alter ‚programmieren‘. Infolgedessen leiden körperlich und seelisch traumatisierte Kinder später öfters unter entzündungsassoziierten Krankheiten und chronischen Schmerzen. Die Forschung belegt weiter, dass Berührungstraumen und der damit verbundene Schmerz überwunden werden können. Da ‚Berührung‘ neben seiner körperlichen Dimension auch das emotionale ‚Berührt-Sein‘ und soziale ‚Berührt-Werden‘ umfasst, sollten Physiotherapeuten in ihrer Arbeit beziehungsmedizinische Aspekte mitberücksichtigen.

Als der Körperkontakt in amerikanischen ‚Findelhäusern‘ anfangs des 20.ten Jahrhunderts aus hygienischen Gründen eingeschränkt war, machte man die schreckliche Beobachtung, dass Kinder unter einem Jahr häufiger verstarben. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Findelkinder nicht allein wegen eines Mangels an körperlich-taktiler Berührung durch die Pflegekräfte starben, sondern auch wegen der damit einhergehenden emotionalen Vernachlässigung.

Mehrdimensionalität: Das historische Beispiel zeigt, dass Neugeborene maßgeblich auf das Berührt-Werden angewiesen sind. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Begriff ‚Berührung‘ – neben seiner mechanisch-körperlichen Komponente – auch die Dimensionen des emotionalen ‚Berührt-Seins‘ und sozialen ‚Berührt-Werdens‘ umfasst. Dabei ist das Berühren reziproker Natur: Auch Kinder berühren ihre Eltern emotional (z. B. ‚Kindchenschema‘, ‚soziales Lächeln‘). So festigen sie die Bindung zu ihren Bezugspersonen und sichern sich deren Fürsorge.

BPS-Modell: Die Mehrdimensionalität von Berührung wird am ehesten durch das biopsychosoziale Modell (BPS-Modell) erfasst. George Engels systemtheoretische Konzeption aus dem Jahre 1980 betrachtet das komplexe Wechselspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren als ausschlaggebend für die Gesundheit oder Krankheit eines Menschen. Dabei haben höher komplexe soziale Faktoren (Umwelt, Nation, Kultur, Gesellschaft, Vertrauenspersonen, Freunde, Familie, Partnerschaft etc.) mehr Einfluss auf die Gesundheit (Wirkung von oben nach unten bzw. top-down) als weniger komplexe biologische Faktoren (Nerven- und Organsysteme, Gewebe, Zellen etc.) (Wirkung von unten nach oben bzw. bottom-up).

Psychoneuroimmunologie

Die Psychoneuroimmunologie (PNI) gilt als mögliche empirische Realisierung des BPS-Modells. Sie untersucht die Wechselwirkungen zwischen sozialen bzw. psychischen Faktoren und dem Nerven-, Hormon- und Immunsystem.

Aktuelle PNI-Forschungen berücksichtigen, dass Eltern die Umwelt ihrer Kinder bestimmen, deren psychosoziale Entwicklung beeinflussen und zu deren langfristiger Gesundheit maßgeblich beitragen. Die Untersuchungen fokussieren auf das gesamte Lebensspannenthema von der pränatalen Entwicklung bis hin ins hohe Alter.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Körperlich-seelische Berührungen im Fokus der Psychoneuroimmunologie
aus der Zeitschrift Der Schmerzpatient 02/2019

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