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Interdisziplinäre Betreuung von Schwangeren mit Drogenabhängigkeit und ihren Neugeborenen

Drogen abhängige werdende Mütter zu betreuen, ist eine interdisziplinäre Herausforderung von der Schwangerschaft über die Geburt bis zum Wochenbett. Wie begleiten wir diese Frauen und ihre Familie angemessen, wertschätzend und zugewandt durch diese schwierige Lebensphase? Wie bewältigen wir es, das Leid zu erleben, das der Drogenmissbrauch hervorruft? Welche Chancen können wir bieten? Das Autorenteam beantwortet diese Fragen aus Sicht der klinischen Praxis und auf Basis von Fachliteratur und Leitlinien.

Fallbeispiel: Ein unsanfter Einstieg

Harzklinikum, Wernigerode. Eigentlich sollte die Frühgeborenenstation unseres Perinatalzentrums ein ruhiger, stiller Ort sein. Hier bieten wir für Babys, die Wochen vor ihrem Geburtstermin das Licht der Welt erblicken, und für deren Mütter eine Versorgung in reizarmer Umgebung. Doch heute dringen schrille Schreie aus einem der Bettchen. Eine Schwester bemüht sich, das Kind zu umgrenzen, zu halten, etwas Glukoselösung zum Saugen anzubieten, dann das sich erbrechende Baby wieder hoch zu nehmen. Es wimmert, überstreckt sich opistoton, das Gesichtchen schmerzverzerrt. An Kopf und Körper fallen Hämatome und Ödeme auf. Jede Berührung der Schwester löst heftige Schmerzreaktionen aus. Die Windel ist bei jeder Versorgung voll von wässrigem Durchfall. Der Po wird wund und ist bald eine offene nässende Wunde. Erst als es etwas Opiat-Lösung bekommt, beruhigt es sich und fällt in einen unruhigen Schlaf, schreckt jedoch bei der kleinsten Störung hoch.

Es ist der zweite Lebenstag eines Neugeborenen, dessen Mutter mit Polamidon substituiert wird. Sie beteuerte uns, auf der niedrigsten Substitutionsdosis ihres Lebens zu sein.

Egal, wie gut organisiert und geplant man die Frau durch die Schwangerschaft begleitet: Den Entzug, den die Mutter nicht schafft, muss das Neugeborene durchleben. Darauf muss sich das interdisziplinäre Team fachlich vorbereiten und in der Praxis Hand in Hand zusammenarbeiten.

 

GLOSSAR

Drogen und Sucht

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt als Droge jede Substanz, die in einem lebenden Organismus Funktionen zu verändern vermag. Hierzu zählen nicht nur illegale Drogen, sondern auch sog. Genussmittel wie Alkohol, Tabak und Kaffee sowie Schmerz- und Beruhigungsmittel.

Drogen lassen sich grundsätzlich nach ihrer vorherrschenden Wirkung einteilen:

  • stimulierend wirken z. B. Methamphetamin, Kokain oder Koffein
  • dämpfend und angstlösend wirken z. B. Alkohol, Cannabis, Opioide oder Benzodiazepine
  • außerdem gibt es die Gruppe der halluzinogenen Substanzen wie beispielsweise LSD oder Psylocibin

Es kann in der Wirkung dosisabhängig Überschneidungen geben. Drogen können je nach Substanz also ganz unterschiedlich wirken. Entsprechend unterschiedlich stellt sich auch der Entzug von der jeweiligen Droge dar. Die Risiken fürs Kind potenzieren sich bei multiplem Substanzgebrauch der Mutter, da sich die Wirkungen der einzelnen Suchtmittel gegenseitig beeinflussen und verstärken können.

Eine Sucht ist eine chronische Krankheit, die zu anhaltend fortbestehenden Hirnfunktionsänderungen führt. Dabei wird Sucht als das körperliche und geistige Verlangen nach einer Substanz definiert, nach deren Konsum sich das physische und psychische Wohlbefinden der süchtigen Person massiv verbessert. Trotz des eigenen Wissens um ihre Abhängigkeit von dieser Substanz gelingt es nur wenigen Konsumenten, die Sucht zu überwinden. Zu Rückfällen kommt es nicht aus freiem Willen.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Interdisziplinäre Betreuung von Schwangeren mit Drogenabhängigkeit und ihren Neugeborenen

aus der Zeitschrift Die Hebamme 04/2020

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