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Beckenboden nach Schwangerschaft und Geburt

Schwangerschaft und Geburt bedeuten für den weiblichen Beckenboden eine enorme Mehrbelastung sowie ausgeprägte strukturelle und funktionelle Veränderungen. So liegt die durchschnittliche Gewichtszunahme durch Größenzunahme von Uterus und Kind, Umstellung des maternalen Flüssigkeitshaushaltes sowie Fettspeicherung während der Schwangerschaft bei 10–15 kg, wovon unmittelbar präpartal ca. 6 kg auf den graviden Uterus (inklusive Gewicht des Feten, Plazenta und Fruchtwasser) entfallen.

Dies führt zu einer Lageveränderung der Genitalorgane bereits in der Schwangerschaft. Zudem führt der erhöhte Druck des graviden Uterus auf den hormonell bedingt lockereren Beckenboden gelegentlich zu Läsionen der nervalen Versorgung von Beckenbodenmuskeln mit der konsekutiven Entwicklung einer Urin- oder Stuhlinkontinenz.

Die vaginale Geburt ist der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Störungen der Beckenbodenfunktion wie Inkontinenz und Lageveränderungen der Genitalorgane. Ca. 25 % aller Frauen mit Zustand nach vaginaler Entbindung leiden unter Symptomen einer Beckenbodeninsuffizienz, bei 20 % findet sich eine Läsion des M. levator ani. Die vaginal-operative Entbindung birgt zudem ein massiv erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Beckenbodenfunktionsstörung, es findet sich nach Forcepsextraktion eine Rate an Defekten des M. levator ani von bis zu 64 %. Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung von Beckenbodenfunktionsstörungen sind:

- höheres maternales Alter
- größeres Kindsgewicht
- protrahierte Geburt, besonders in der Austreibungsperiode
- höhere Parität

Hinsichtlich der Parität scheint sich die erste Geburt am relevantesten auf die Beckenbodenfunktion auszuwirken, danach folgende Geburten haben einen untergeordneten Effekt. Die PDA scheint sich aufgrund der Relaxation der Beckenbodenmuskulatur unter der Geburt als protektiver Faktor zu erweisen, die Episiotomie hat keinen nachgewiesenen Einfluß. Jedoch kann eine Schnittentbindung das Auftreten von Symptomen einer Beckenbodenschwäche nicht verhindern.

Hauptrisikofaktor für Beckenbodenstörungen ist die vaginale Geburt. Das Auftreten von Urin- und Stuhlinkontinenz sowie Symptomen eines Genitaldeszensus wird von den Frauen meist als unangenehm erlebt, ist schamhaft besetzt und wird von den Frauen dementsprechend selten an den betreuenden Gynäkologen kommuniziert. Es ist daher eine gezielte Abfrage dieser Symptome in der postpartalen Anamneseerhebung notwendig. Auch sollte eine psychosomatische Betreuung im Falle einer als psychisch belastend erlebten Geburtssituation angeboten werden.

Infolge der durch die Geburtsverletzungen verursachten Narben an Vagina, Damm und Perineum kann es zur Dyspareunie kommen, auch eine Urin- und Stuhlinkontinenz sowie eine Windinkontinenz wirken sich unter Umständen beeinträchtigend auf das Sexualleben der betroffenen Frauen aus. Dies wird wiederum häufig aus Scham im ärztlichen Gespräch nicht thematisiert.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Beckenboden nach Schwangerschaft und Geburt

Aus der Zeitschrift Frauenheilkunde up2date 4/2016

 

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