• Mammakarzinom

     

Zerebrale Metastasierung beim Mammakarzinom

Die Inzidenz von Hirnmetastasen beim Mammakarzinom ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Hirnmetastasen stellen oft den limitierenden Faktor der Erkrankung dar, da das Überleben nach Auftreten einer Hirnmetastasierung meist nur wenige Monate beträgt.

Die Verbesserung der Behandlungsoptionen von metastasierten Mammakarzinompatientinnen hat zu einem verlängerten Überleben vieler Patientinnen geführt. Bei verbesserter Kontrolle der extrakraniellen Metastasierung entwickeln nunmehr rund 30 % aller metastasierten Patientinnen im Lauf ihrer Erkrankung Hirnmetastasen. Hirnmetastasen verschlechtern für die betroffenen Patientinnen nicht nur die Prognose, sondern sorgen durch die damit verbundenen Symptome wie Krampfanfälle oder sensomotorische Ausfälle auch für eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Leider gibt es derzeit wenige Erkenntnisse über die einer zerebralen Metastasierung zugrunde liegenden biologischen Prozesse oder über spezifische Behandlungsansätze. Vor diesem Hintergrund sollen im Folgenden die aktuellen Erkenntnisse zu Epidemiologie, Biologie und Therapie zerebraler Metastasierung beim Mammakarzinom zusammengefasst und neue Entwicklungen in der klinischen Forschung diskutiert werden.

Biologische Grundlagen der zerebralen Metastasierung

Die Entstehung von Fernmetastasen ist ein hoch komplexer Prozess, bei dem die Interaktion zwischen Tumorzellen und Umgebung, wie dem Hirngewebe, eine entscheidende Rolle spielt. Neben einer genetischen Prädisposition von Tumorzellen sind Anpassungsprozesse der Zellen in der neuen Umgebung für die Entstehung von Metastasen entscheidend. Das Verständnis dieser Mechanismen ist von großer Relevanz für die Verbesserung therapeutischer und präventiver Strategien. Ein anderer wichtiger Faktor für die Entstehung und die begrenzte Wirksamkeit von therapeutischen Ansätzen bei zerebralen Metastasen ist die Blut-Hirn-Schranke. Dabei handelt es sich um eine hoch selektive physiologische Barriere zwischen Blutsystem und dem zentralen Nervensystem, die eine Diffusionsbarriere für viele Medikamente darstellt und dadurch die systemische Therapie von Hirnmetastasen erschwert.

Epidemiologie und Risikofaktoren

Neben dem Bronchialkarzinom stellt das Mammakarzinom die häufigste Ursache für zerebrale Metastasen dar. Hirnmetastasen dieser beiden Tumorentitäten werden häufiger diagnostiziert als primäre Hirntumoren. In den letzten Jahren ist eine steigende Inzidenz zerebraler Metastasen beobachtet worden, vermutlich aufgrund einer Verbesserung der systemischen Behandlung extrakranieller Metastasen. Mehr Patientinnen erleben nun eine zerebrale Metastasierung, bevor sie an ihren viszeralen Metastasen versterben. Diese klinische Beobachtung reflektiert eine unzureichende Effektivität aktueller Behandlungsansätze in der Kontrolle einer zerebralen Dissemination und Wachstumskontrolle. Darüber hinaus gibt es infolge der Verbesserungen in der Bildgebung mittels MRT als aktuelle Standardmethode vermutlich eine höhere Zahl an diagnostizierten subklinischen Hirnmetastasen.

Als Risikofaktoren für das Auftreten von Hirnmetastasen gelten ein junges Ersterkrankungsalter, HER2-positive oder tripel-negative Tumoren, ein entdifferenziertes Grading und/oder ein positiver Nodalstatus. Bei primären Mammakarzinomen ist die kumulative Inzidenz für Hirnmetastasen über 5 Jahre eher niedrig mit insgesamt 1,7 % und stark abhängig vom Subtyp mit nur rund 0,1 % bei luminal A, 3,3 % bei luminal B, 3,2 % bei luminal-HER2, 3,7 % für HER2 positive und 7,4 % für triple-negative Patientinnen. Nach neoadjuvanter Chemotherapie bei primärem Mammakarzinom zeigte sich eine Inzidenzrate von Hirnmetastasen als erstem Metastasierungsort von 3 % (mediane Nachbeobachtungszeit 61 Monate). Auch dann hatten Patientinnen mit einem HER2-positiven oder triple-negativen Primärtumor ein erhöhtes Risiko für Hirnmetastasen trotz der modernen neoadjuvanten Therapiekonzepte. 4 % der HER2-positiven (34/809) und 6 % der triple-negativen Patientinnen (56/1008) entwickelten Hirnmetastasen als ersten Metastasierungsort. Als weitere wesentliche Risikofaktoren für diese Patientengruppe konnten initial große Tumoren (cT3 – 4 vs. cT1 – 2), ein positiver Nodalstatus sowie eine fehlende pathologische Komplettremission nach Chemotherapie identifiziert werden.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Zerebrale Metastasierung beim Mammakarzinom

aus der Zeitschrift: Senologie 04/2018

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