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Update Schwangerschaftsrhinitis

Die Schwangerschaftsrhinitis (SSR) ist eine endokrine nasale Hyperreaktivität, die zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft auftreten kann. Etwa ein Viertel aller Schwangeren ist davon betroffen.

Die regelrechte Nasenluftpassage stützt sich im Wesentlichen auf eine unveränderliche Anatomie der inneren Nase sowie den veränderlichen Schwellungszustand ihrer Mukosa insbesondere an der lateralen Wand im Bereich der 3 Nasenmuscheln. Man unterscheidet eine untere, mittlere und eine obere Nasenmuschel. Diese jeweils paarig angelegten Schwellkörper dienen der Oberflächenvergrößerung der inneren Nase. Die Muscheln bestehen aus einem mehrreihigen, hochprismatischen respiratorischen Flimmerepithel mit Becherzellen und seromukösen Drüsen. Letztere sezernieren Muzine, die das Epithel bedecken und vor Austrocknung schützen. In den tiefer liegenden Schichten der Mukosa befindet sich ein Kapillarnetz, aus dem das Blut in weitlumige Venengeflechte der Mukosa abfließt. Vor allem an der unteren und mittleren Muschel sind diese Geflechte zu Schwellkörpern, den Corpora cavernosa nasi ausgebildet. Die Blutfüllung dieser Schwellkörper und damit die Dicke der Mukosa beeinflusst die Luftdurchgängigkeit der Nase. Die Regulation erfolgt über Vasokonstriktoren bzw. -dilatatoren, welche über das vegetative Nervensystem gesteuert werden. Der Parasympathikus ist für die Anschwellung der Schleimhaut zuständig, der Sympathikus für ihr Abschwellen. Die Muscheln sind das sog. nasale Organ und sind verantwortlich für die Steuerung der Nasenluftpassage sowie die Erwärmung und Befeuchtung der Atemluft.

Körperliche Veränderungen im Rahmen einer Schwangerschaft können zu einer konsekutiven Behinderung der Nasenatmung führen. Die sogenannte Schwangerschaftsrhinitis (SSR) wurde bereits 1898 erstmals durch MacKenzie beschrieben. Seither gibt es unterschiedlichste pathophysiologische Erklärungsmodelle sowie auch Therapiekonzepte zur Behandlung dieses Krankheitsbilds. Die SSR zählt zu den endokrinen nasalen Hyperreaktivitäten. Mit der vorliegenden Übersichtsarbeit geben wir einen aktuellen Literaturüberblick über die Grundlagen der klinischen Symptomatik, der Pathophysiologie sowie verschiedener Therapieoptionen der Schwangerschaftsrhinitis.

Inzidenz und Klinik

Die Angaben zur Inzidenz der SSR sind uneinheitlich und reichen von 9 – 42%. Diese große Schwankung ist vor allem auf sehr kleine Studienpopulationen in den einzelnen Arbeiten sowie die unscharfe Abgrenzung des Krankheitsbildes zurückzuführen. Die größte einzelne Untersuchung, die 599 Patientinnen umfasste, beschreibt eine Inzidenz von 22%. Die Rhinitis der Schwangerschaft ist definiert als eine mindestens 6-wöchige, zum Teil über Monate bestehende Behinderung der Nasenatmung, die vor der Schwangerschaft nicht vorlag. Sie manifestiert sich ohne Hinweis auf eine intranasale Raumforderung, Infektion oder Allergie und die Symptome verschwinden innerhalb zweier Wochen post partum. Rhinoskopisch finden sich bei einer SSR vergrößerte Nasenmuscheln bei angeschwollener Mukosa. Typischerweise scheint die SSR im 2. oder 3. Trimenon der Schwangerschaft aufzutreten, doch Ellegård und Karlsson konnten im Rahmen einer großen klinischen Studie ein Auftreten während der gesamten Schwangerschaft feststellen – ohne besondere Kumulation zu einem definierten Zeitpunkt.

Eine über längere Zeit bestehende Behinderung der Nasenatmung führt zu chronischer Mundatmung mit konsekutiver Austrocknung der abhängigen Schleimhäute. Häufig entstehen hierbei eine vermehrte nasale Sekretion zähen Schleims sowie ein sog. „Post-nasal drip“. Die vermehrte Mundatmung kann auch zu einer verringerten Abgabe von Stickstoffmonoxid aus den Nebenhöhlen führen. Eine dem Fetus abträgliche Wirkung durch die NO-Reduktion der Lunge sowie ein Zusammenhang mit der Ausbildung einer Präeklampsie wurde in der Literatur diskutiert. Zudem kann es bei verringerter Drainage der Nasennebenhöhlen zur Induktion einer akuten Sinusitis kommen, die klinisch durch erhöhte Entzündungsparameter, einen Anstieg der Körpertemperatur sowie Druckschmerzhaftigkeit über den Nasennebenhöhlen diagnostiziert wird.

 

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aus der Zeitschrift: Geburtshilfe Frauenheilkunde 01/2019

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