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SWEPIS-Studie: Geburtseinleitung nach 41 oder 42 Schwangerschaftswochen?

Bisherige Meta-Analysen zeigen, so die Autoren, ein generell verbessertes perinatales klinisches Resultat bei Einleitung der Geburt an oder nach Termin im Gegensatz zu einem exspektativen Vorgehen. Untersucht wurde nun, ob bei Müttern mit einer Niedrig-Risiko-Schwangerschaft die Einleitung der Geburt nach 41 Wochen das perinatale und maternale Outcome verbessert, verglichen mit einem Abwarten und einer Einleitung erst nach 42 vollendeten Schwangerschaftswochen (SSW).

In der Studie (SWEPIS, SWEdish Post-term Induction Study) wurden die Daten von 2760 Frauen mit einer unkompliziert verlaufenen Niedrig-Risiko-(Einlings-)Schwangerschaft ausgewertet. Beteiligt waren an der offenen, randomisierten kontrollierten Überlegenheitsstudie 14 Kliniken von 2016–2018. Die Studienkohorte wurde 1:1 randomisiert in:

Gruppe 1: Induktion der Geburt nach 41 vollendeten SSW (n = 1381) und

Gruppe 2: abwartendes Verhalten und Geburtseinleitung nach 42 vollendeten SSW (n = 1379).

Der primäre Endpunkt war eine Kombination aus perinatalem Outcome einschließlich Totgeburt, neonataler Sterblichkeit, Apgar-Score <7 nach 5 Minuten, pH <7 oder metabolische Azidose (pH <7,05 und Basendefizit >12 mmol/l) in der Umbilikal-Arterie, hypoxische ischämische Enzephalopathie, intrakranielle Blutung, Krampfanfälle, Mekonium-Aspirations-Syndrom, mechanische Beatmung innerhalb von 72h oder geburtsassoziierte Plexus-Brachialis-Verletzung. Sekundäre Endpunkte waren auf neonataler Seite die Einzelkomponenten des kombinierten primären Endpunktes sowie Neugeborenen-Ikterus, Geburtsgewicht, Pneumonie etc. und auf mütterlicher Seite u. a. Einsatz einer Epidural-Anästhesie, Kaiserschnitt, Dauer der Entbindung, Chorioamnionitis, postpartaler Blutverlust sowie Stillen bei Entlassung aus dem Krankenhaus und 4 Wochen post partum.

Präspezifizierte Subgruppen-Variablen waren mütterliches Alter (≥35 Jahre), Nulliparität und Body-Mass-Index (≥30 kg/m2 Körperoberfläche).

In Gruppe 1 wurde die Geburt innerhalb von 24 Stunden nach Randomisierung eingeleitet, jedoch nicht früher als mit 41 + 0 und spätestens mit 41 + 2 SSW. In Gruppe 2 wurde die Geburt mit 42 + 0–1 SSW eingeleitet. Die weiterführenden Daten wurden dem schwedischen Schwangerschafts- resp. Neugeborenenregister entnommen. Die Geburtseinleitung erfolgte in beiden Gruppen gleichermaßen: Nach einer standardisierten Aufnahmeuntersuchung erfolgte eine Amniotomie, wenn der kindliche Kopf in der richtigen Position lag und der Muttermund vollständig geöffnet war mit darauffolgender Infusion von Oxytocin nach 1–2h bei ausbleibenden spontanen Wehen. Andernfalls erfolgte abhängig von den jeweils lokalen Standards entweder eine mechanische Dilatation mit einem Ballon-Katheter oder Gabe von Prostaglandin E1 (Misoprostol, oral oder vaginal) oder E2 (Dinoproston, vaginal). Das mediane Gestationsalter bei der Entbindung war in Gruppe 1 289 (288–289), in Gruppe 2 292 (289–294) Tage.

Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen, nachdem sich in Gruppe 2 eine signifikant höhere Rate perinataler Mortalität gezeigt hatte. Das Auftreten des kombinierten Endpunktes hinsichtlich des perinatalen Outcomes unterschied sich in den Intention-to-treat-Analysen nicht zwischen den Gruppen: 2,4% (33/1381) in Gruppe 1 vs. 2,2% (31/1379) in Gruppe 2 (relatives Risiko [RR] 1,06; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,65–1,73; p=0,90). In Gruppe 1 traten keine perinatalen Todesfälle auf im Gegensatz zu 5 Totgeburten und einem frühen neonatalen Todesfall in Gruppe 2 (p=0,03) (alle bei Müttern ohne vorherige Geburten). Den Ergebnissen bzgl. des primären Endpunktes (1,3 vs. 1,2 %; RR 1,12; 95 %-KI 0,57–2,19; p = 0,88) lag überwiegend ein niedriger Apgar-Wert (< 7 nach 5 Minuten) zugrunde. Neugeborene aus Gruppe 1 mussten seltener auf eine neonatale Intensivstation verlegt werden, hatten seltener einen behandlungsbedürftigen Neugeborenen-Ikterus und zeigten seltener eine Makrosomie. Das Verhältnis von u. a. Kaiserschnitt oder instrumentell unterstützter vaginaler Geburt unterschied sich nicht zwischen den Gruppen.

 

FAZIT

Bei Einleitung einer Geburt nach 41 im Vergleich zu 42 SSW ließ sich eine Reduktion der perinatalen Sterblichkeit ohne Zunahme unerwünschter mütterlicher Ereignisse beobachten. Obwohl die Studie vorzeitig abgebrochen werden musste, sollte die Einleitung der Geburt den Müttern nach Aufklärung über die jeweiligen Risiken nicht später als nach der 41. Woche angeboten werden, und könnte eine der wenigen Möglichkeiten sein, die Rate an tot geborenen Kindern zu verringern, so die Autoren.

 

SWEPIS-Studie: Geburtseinleitung nach 41 oder 42 Schwangerschaftswochen? 

Aus der Zeitschrift: ZGN 02/2020

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