• Pigmentnävi © Thieme Verlagsgruppe

    Pigmentnävi gelten als Risikofaktoren für die Entstehung von malignen Melanomen. Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang mit Mammakarzinomen.

     

Dermatologie – Pigmentnävi als Indikatoren für das Mammakarzinom-Risiko?

Pigmentnävi entstehen durch Proliferation der Melanozyten in der Epidermis. Sie werden von einer genetischen Komponente sowie von Steroidhormonen beeinflusst. Nävi gelten als Haupt-Risikofaktoren für die Ausbildung eines malignen Melanoms; inwieweit sie aber auch für andere Malignome prädisponieren, ist bislang wenig bekannt. Den Zusammenhang mit Mammakarzinomen haben nun 2 Teams untersucht.

Methoden: Um der Frage nachzugehen, ob eine große Zahl an Nävi mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten eines Mammakarzinoms einhergeht, haben Marina Kvaskoff et al. Daten von knapp 90 000 Frauen der französischen Education-Nationale-Kohorte herangezogen. Die Teilnehmerinnen waren zwischen Februar 1989 und November 1991 zwischen 40 und 65 Jahre alt gewesen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie einen Fragebogen zu Lebensgewohnheiten und Gesundheitszustand ausgefüllt, in dem es auch um die selbst beurteilte Zahl vorhandener Pigmentnävi ging. Antwortmöglichkeiten waren: „keine“ (n = 9044), „wenige“ (n = 33 187), „viele“ (n = 37 911) und „sehr viele“ (n = 9660). Beurteilt wurde nun der Zusammenhang von bis Juni 2008 neu aufgetretenen Mammakarzinomen mit der Zahl der anfangs vorhandenen Nävi.

Die 2. Gruppe um Mingfeng Zhang hat demgegenüber Daten von gut 74 000 Frauen der 1976 begonnenen amerikanischen Nurses‘ Health Study verwendet. Hier waren im Jahr 1986 Frauen im Alter zwischen 40 und 65 Jahren nach der Zahl von Pigmentnävi mit einer Größe von 3 mm oder mehr gefragt worden. Die Einteilung umfasste „keine“ (n = 47 052), „1–5“ (n = 24 017), „6–14“ (n = 2789) oder „15 und mehr“ Nävi (n = 665). Beurteilt wurde ebenfalls der Zusammenhang zwischen bis 2010 neu gefundenen Mammakarzinomen und der Zahl der Nävi.

Ergebnisse: Bei 5956 Frauen aus der von Marina Kvaskoff und Kollegen untersuchten Kohorte wurde im Laufe des Beobachtungszeitraums ein Mammakarzinom neu diagnostiziert. Nach Alterskorrektur fand sich in der Gruppe der Frauen mit sehr vielen Nävi gegenüber der Gruppe ohne Nävi ein höheres Karzinomrisiko (Hazard Ratio [HR] 1,17). Nach weiteren Adjustierungen im Hinblick auf sonstige Mammakarzinom-Risikofaktoren, darunter auch eine positive Familienanamnese, Hormon-Einnahme und gutartige Vorerkrankungen der Brust, schwächte sich der Zusammenhang leicht ab (HR 1,09). Bei Stratifizierung für den Menopausenstatus ergab sich allerdings nur für prämenopausale Frauen ein erhöhtes Risiko (HR 1,34).

Über die 24-jährige Beobachtungszeit der Nurses‘ Health Study traten insgesamt 5483 invasive Mammakarzinome auf. Nach Adjustierung für gesicherte Mammakarzinom-Risikofaktoren betrug die HR 1,04 für Frauen mit 1–5 Nävi, 1,15 für Frauen mit 6–14 Nävi und 1,35 für Frauen mit 15 oder mehr Nävi gegenüber der Gruppe der Frauen ohne Nävi. Diese Risikoerhöhung war unabhängig vom Menopausenstatus, wie Mingfeng Zhang et al. beobachteten.

Folgerung: Das Risiko für Mammakarzinome könnte bei höherer Anzahl von Pigmentnävi erhöht sein, meinen die beiden Autorengruppen. Vermutlich liege beiden Faktoren ein gemeinsamer Mechanismus zugrunde.

 

Kommentar

Fuhrman B, Cardenas V. Melanocytic nevi as biomarkers of breast cancer risk. PLoS Med 2014; 11: e1001661

Die Epidemiologen Barbara Fuhrmann und Victor Cardenas finden es sehr interessant, dass Nävi als Biomarker für das Mammakarzinom-Risiko dienen könnten. Wenn sich diese Ergebnisse bestätigen, könnten Screening-Maßnahmen wie Mammografien gezielter eingesetzt werden. Dabei seien die Nävi in einigen Subgruppen möglicherweise bessere Prädiktoren als in anderen, wie die unterschiedlichen Ergebnisse der beiden Teams im Hinblick auf die Risikoerhöhung in Abhängigkeit vom Menopausenstatus zeigten. Die Bestimmung der Nävizahl ist einfach und nicht-invasiv möglich – wobei eine Einschätzung durch Kliniker zuverlässiger sein könnte als die Selbstbeurteilung.

Dr. E. Ruchalla

Aus der Zeitschrift Senologie

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