• Zyste

     

Gartner-Gang-Zyste – eine altersunabhängige Differenzialdiagnose

Gartner-Gang-Zysten sind meist klein, asymptomatisch und kommen bei etwa 1% aller Frauen vor. Insgesamt machen die Gartner-Gang-Zysten (GGZ) etwa 10% der benignen Zysten im Bereich der Vaginalwand aus.

Fallberichte

Ein reif geborenes, 1 Tag altes Mädchen wurde der Kinderurologischen Klinik mit dem Verdacht auf eine Caecoureterozele vorgestellt. In der körperlichen Untersuchung zeigte sich eine ca. 1,5 cm große, zystische Raumforderung am äußeren Genitale zwischen den Schamlippen liegend. Eine Verbindung mit dem Meatus urethrae konnte dabei nicht sicher ausgeschlossen werden. In der Sonografie konnte eine begleitende linksseitige multizystisch-dysplastische Niere (MCDK) verifiziert werden. In der nachfolgenden Urethrozysto- und Vaginoskopie konnte eine Ureterozele ausgeschlossen und ein GGZ diagnostiziert werden. Nebenbefundlich fand sich ein Hemitrigonum rechts mit fehlendem Ostium der linken Seite. Nach Zystenexstirpation wurde die Gartner-Gang-Zyste auch histologisch verifiziert. Der Heilungsverlauf gestaltete sich komplikationslos und die Patientin ist seither beschwerdefrei.

Eine 5-jährige Patientin wurde der Kinderurologischen Klinik mit einer seit Geburt bekannten, unklaren asymptomatischen zystischen Struktur am äußeren Genitale vorgestellt. Bereits pränatal wurde bei diesem Mädchen eine MCDK rechts diagnostiziert. Bei der körperlichen Untersuchung zeigten sich die äußeren und die inneren Labien altersentsprechend unauffällig. Die ca. 4 mm durchmessende Zyste lag zwischen dem Meatus urethrae externus und dem Vaginaleingang. In Zusammenschau der Befunde wurde die Diagnose einer Gartner-Gang-Zyste gestellt. In der zur weiteren Diagnostik durchgeführten Urethrozystoskopie zeigten sich eine unauffällige Urethra sowie ein Hemitrigonum mit einem orthotop liegenden Ostium links. In gleicher Sitzung erfolgte die komplikationslose Zystenmarsupialisation, histologisch konnte die Diagnose bestätigt werden. Der postoperative Verlauf war unauffällig.

Eine 56-jährige Patientin litt seit Jahren unter rezidivierenden Unterbauchschmerzen, die in unterschiedlich langen Intervallen auftraten und sich nach Entleeren von Sekret aus der Vagina vorübergehend besserten. Die Verdachtsdiagnose und Veranlassung einer Computertomografie  erfolgten bei einem niedergelassenen Urologen. Die Patientin wurde in unserer Klinik vorgestellt. Im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung war das äußere Genitale unauffällig. In der Sonografie zeigte sich eine 1 × 2 cm große zystische Struktur an der linksseitigen ventralen Vaginalwand, die linke Niere stellte sich sonografisch als Doppelniere dar. In der anschließenden Kernspintomografie konnte die Zyste als Gartner-Gang-Zyste mit einem ektop mündenden Ureter identifiziert werden. Es erfolgte daraufhin die operative End-zu-Seit-Ureteroureterostomie des ektop mündenden Ureters der oberen Nierenanlage an den orthotopen mündenden Harnleiter der unteren Nierenanlage. Der intra- und postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos. Die Patientin ist seit nunmehr 3 Jahren beschwerdefrei.

Diskussion

Während der embryonalen Entwicklung ist der Urogenitaltrakt beider Geschlechter zunächst indifferent angelegt. Beim weiblichen Geschlecht entsteht ab der 8. embryonalen Woche aus den paarigen Müller-Gängen (Ductus paramesonephricus) der Uterus, die Zervix und das obere Drittel der Vagina. Die paarigen Wolff-Gänge (Ductus mesonephricus) bilden sich beim weiblichen Embryo unter fehlendem Einfluss von Androgenen jedoch zurück. Allerdings können aus Relikten des zurückgebliebenen Wolff-Ganges Gartner-Gang-Zysten entstehen. Diese sind meist im anterolateralen Anteil der proximalen Vagina lokalisiert. Da Gartner-Gang-Zysten aus den Wolff-Gängen entstehen können, ist der Ausschluss weiterer urogenitaler Fehlbildungen von zentraler Bedeutung. So wurden Gartner-Gang-Zysten unter anderem mit dem Vorkommen von multizystisch-dysplastischen Nieren (MCDK), unilateraler Nierenagenesie und ektopen Ureteren beschrieben.

 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Gartner-Gang-Zyste – eine altersunabhängige Differenzialdiagnose

aus der Zeitschrift: Geburtshilfe und Frauenheilkunde 01/2019

Call to Action Icon
Geburtshilfe und Frauenheilkunde Jetzt kostenlos testen!

THIEME NEWSLETTER

  • Jetzt Newsletter abonnieren und Whitepaper sichern!

    Jetzt kostenlos anmelden

    Melden Sie sich jetzt kostenlos zum Newsletter an und verpassen Sie keine Neuigkeiten mehr! Als Dankeschön erhalten Sie das Whitepaper "SOP Geburtseinleitung".

Quelle

Geburtshilfe und Frauenheilkunde
Geburtshilfe und Frauenheilkunde

EUR [D] 218,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Atlas der gynäkologischen Operationen
Diethelm Wallwiener, Walter Jonat, Rolf Kreienberg, Klaus Friese, Klaus Diedrich, Matthias W. BeckmannAtlas der gynäkologischen Operationen

EUR [D] 349,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Kreißsaal-Kompendium
Axel Feige, Werner Rath, Stephan SchmidtKreißsaal-Kompendium

Das Praxisbuch für die Geburtshilfe

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit
Martin Smollich, Alexander C. JansenArzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit

Schnell und sicher beraten

EUR [D] 34,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.