Wochenbettdepression

Was tun gegen den Babyblues?  

Machen sich bei uns Symptome einer Wochenbettdepression bemerkbar, ist die Angst, es könnte sich dabei um eine Art unheilbare Geisteskrankheit handeln, fast genauso groß wie die, keine gute Mutter mehr sein zu können. Typisch für eine Wochenbettdepression ist der völlige Mangel an Optimismus. Für manche junge Mutter ist es einfach unvorstellbar, dass einmal eine Zeit kommen wird, in der sie nicht mehr müde, traurig, vergesslich oder angespannt sein wird. Wenn man für ein Kind zu sorgen hat, und das tut man in unserer Gesellschaft meistens allein, ist man mit Aufgaben konfrontiert, die sich ständig wiederholen und auf unabsehbare Zeit nicht enden. Man kann also leicht das Gefühl bekommen, die Tage bestünden nur aus Windelwechseln und Füttern. Bei unserem ersten Baby bleibt uns nichts anderes übrig, als uns bei mütterlichen Entscheidungen auf unseren Instinkt zu verlassen, und das macht uns unter Umständen glauben, dass ständig etwas schiefgehen könnte. Sicher, in den Ratgebern ist zu lesen, dass du bald zwischen »hungrigem«, »gelangweiltem« oder »schmerzerfülltem« Schreien unterscheiden kannst, und das wird sicher auch der Fall sein ..., fragt sich nur, wann.

Wie lange geht das schon so?

In der Zwischenzeit treibt jeder Schreianfall deinen Blutdruck und Adrenalinspiegel gewaltig in die Höhe. Dann wird dein Baby zum ersten Mal krank; allein sturzflutartiges Erbrechen hat schon so manche Mutter an den Rand eines Nervenzusammenbruchs getrieben ... packen wir es also an und nehmen unsere Entwicklung in die Hand. Zunächst werden wir alle Missverständnisse bezüglich der Wochenbettdepression ausräumen. Hier sind die geläufigsten Irrtümer und ihre Richtigstellung.

  • Irrtum Nummer eins: Eine »normale« Wochenbettdepression, auch als Babyblues bekannt, tritt drei bis vier Tage nach der Geburt auf und ist im Prinzip nichts weiter als ein eintägiger, grundloser Heulanfall.

    Die Wahrheit. Natürlich ist es möglich, dass du nach der Geburt leicht in Tränen ausbrichst, denn zu diesem Zeitpunkt findet der drastischste Hormonumschwung statt; dabei handelt es sich aber nicht um eine Wochenbettdepression, wenigstens nicht um die »Ihr-könnt-mich-alle-mal«-Wochenbettdepression, von der wir Freundinnen sprechen. Eine Wochenbettdepression tritt auf, wenn du zwei Monate lang kaum ein Auge zugemacht hast, dein Baby einen Wachstumsschub durchmacht und du befürchtest, dass du nicht genug Milch hast (vorausgesetzt, du stillst), wenn du dich mehr schlecht als recht ernährst, aber immer noch Übergewicht hast, und dann ... die ganze Familie die Grippe bekommt! Wenn du dann immer noch nicht auf dem Zahnfleisch daherkommst, hat Mutter Teresa eine würdige Nachfolgerin gefunden. Sieh mal, ich bin jetzt seit fast neun Jahren Mutter, und ich denke, hin und wieder sucht mich noch immer eine Wochenbettdepression heim: Vor drei Jahren zum Beispiel, als ich im achten Monat schwanger war und meine drei Kinder und ich die Windpocken bekamen. Wenn du denkst, ich hätte damals dem Muttersein gegenüber keine zwiespältigen Gefühle gehabt, bist du aber ganz schön auf dem Holzweg.

  • Irrtum Nummer zwei: Die Wochenbettdepression kann durch eine durchweg positive Einstellung während der Schwangerschaft verhindert werden.

    Die Wahrheit. Ruf im Reisebüro an und buch eine Wallfahrt, um dich von deiner Schuld zu reinigen ... Obige Fehlinformation deutet an, du seist selbst dafür verantwortlich, ob du eine Wochenbettdepression bekommst oder nicht.
    Mit anderen Worten: Wenn ja, ist es deine eigene verdammte Schuld. Das ist schlichtweg nicht nur falsch, sondern auch die Art von Ratschlag, die dich erst recht zum Stolpern bringt. Du kannst die ganze Schwangerschaft und Mutterschaft hindurch krampfhaft versuchen, so positiv wie nur irgend möglich zu sein, und dennoch eine Wochenbettdepression bekommen. Außer, dass du in diesem Fall dann zusätzlich noch mit Enttäuschung und Selbstzweifeln zu kämpfen hast. Schwangerschaft und Mutterschaft bringen ungemein einschneidende physische und psychische Veränderungen mit sich, auch wenn du noch so begeistert davon bist, Mutter zu werden. Deine Ehe wird sich vielleicht verändern, dein Äußeres wird es in jedem Fall, und du weißt nicht wirklich, was es bedeutet, jemandes Mutter zu sein. Wenn du denkst, es sei deine Aufgabe, angesichts deiner Ödeme, deiner Verletzlichkeit und Angst, der Beschlagnahmung deines ganzen Körpers durch dieses kleine Wesen immer dankbar, glücklich und zufrieden zu bleiben, ist es kaum verwunderlich, dass du schließlich depressiv wirst. Hier kannst du mit positivem Denken wenig ausrichten. Die beste und gesündeste Einstellung ist es, alle Gefühle ohne schlechtes Gewissen zuzulassen. Gestehe dir selbst zu auch mal zu schimpfen, ohne dies gleich für Verrat an deiner Mutterrolle zu halten.Wir haben grenzenloses Vertrauen in deine Fähigkeiten als Mutter und sind uns ganz sicher, dass du dein Baby über alles liebst. Alles, was du denkst oder sagst, wird in diesem Zusammenhang gesehen.
    Also: Du kannst uns nicht schockieren!

  • Irrtum Nummer drei: Die Wochenbettdepression ist ein Hirngespinst der Frauen, medizinisch nicht nachweisbar.

    Die Wahrheit. Dasselbe behauptete man früher auch vom prämenstruellen Syndrom und von Krämpfen (und ich habe es auch noch geglaubt!). Ich denke, eine ganze Menge Frauen mussten da erst Klartext reden, dass jemand ohne Gebärmutter über diese Angelegenheit spricht wie der Blinde von der Farbe. Es ist ganz einfach eine Tatsache, dass alles, was mit Schwangerschaft und jungem Mutterdasein zu tun hat, in großem Maße von unserer Biologie beeinflusst wird. Du glaubst doch wohl nicht, dass Mutter Natur uns unserem Schicksal überlässt und einfach abwartet, dass sich die Gattung Mensch von allein fortpflanzt. Wir sitzen nicht mehr auf dem Fahrersitz, wenn das Leben eines anderen auf dem Spiel steht, und in Anbetracht der Tatsache, wie ahnungslos wir sind, sollten wir dankbar dafür sein, auf dem Beifahrersitz Platz nehmen zu dürfen. Sobald wir schwanger werden, sorgen nämlich unsere Hormone in Verbindung mit unserer genetischen Programmierung dafür, dass wir für das Wohlbefinden und den Schutz des neuen Lebens jedes Opfer auf uns nehmen. Wenn das Baby auf der Welt ist, kommen Erschöpfung und Unerfahrenheit hinzu, und das Resultat ist eine Form von Folter, an der Marquis de Sade seine wahre Freude gehabt hätte. O Gott, noch ein Anflug von Brustentzündung und ihm würde ganz schwindelig vor Glück!

  • Irrtum Nummer vier: Eine Wochenbettdepression ist nichts weiter als eine gewisse Niedergeschlagenheit in der Zeit nach der Entbindung.

    Die Wahrheit. Nun, das ist nur ein Bruchteil des Ganzen. Eine Wochenbettdepression ist lediglich ein Oberbegriff für die verschiedensten Emotionen und Verhaltensweisen, die neu und ungewöhnlich oder intensiver sind als in deiner kinderlosen Zeit. Ich wurde von höllischen Kopfschmerzen geplagt, die mein Gehirn von der Gegend hinter meinen Augäpfeln aus durchbohrten. Meine Freundin Lori war vergesslich und verwirrt. Kaum hatte sie zielstrebig ein Zimmer betreten, hatte sie auch schon wieder vergessen, was sie dort eigentlich gewollt hatte. Einmal fand sie ihr Handy im Kühlschrank wieder! Karen hatte eine Bakterienphobie. Ihr geliebter Ehemann musste sich erst einmal umziehen und gründlich abschrubben, bevor er sich dem Baby nähern durfte.

  • Irrtum Nummer fünf: Wenn dich die Wochenbettdepression einmal gepackt hat, kannst du nur noch darauf warten, bis sie wieder verschwindet.

    Die Wahrheit. Wenn du das Gefühl hast, du kommst mit deiner Mutterrolle nur schwer zurande, wähle den einfachsten Weg und bitte um Hilfe. Du brauchst dich deswegen nicht zu schämen, denn von der Natur war es nie vorgesehen, dass du diese Aufgabe allein meistern musst. Denk daran, der Mensch lebte einst in Stämmen, und Mütter konnten sich bei der Erziehung ihrer Kinder auf die Hilfe der anderen Frauen verlassen (verstanden, Freundinnen?). Was immer du auch tust, nimm deine Unzufriedenheit nicht einfach so hin und tu nicht so, als existiere sie nicht. Es gibt so vieles, was du tun kannst, um wieder Boden unter den Füßen zu bekommen. Vielleicht ist dir schon mit etwas mehr Schlaf oder ein wenig Gymnastik geholfen, vielleicht brauchst du auch Medikamente, aber in jedem Fall gibt es Hilfe für dich. Wenn du denkst, dass du und dein Baby das erste Jahr völlig abgeschnitten vom Rest der Welt verbringen müsst, ist es nicht verwunderlich, dass du durchdrehst.  

Quelle

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