Regeln geben – und Vorbild sein

Viele Diskussionen lassen sich verhindern, wenn es ein klares Regelwerk gibt, in dem festgelegt worden ist, was erlaubt ist und wo die Grenze ist. Wenn es um Essregeln geht, dann haben sie stets für die ganze Familie Gültigkeit, wie beispielsweise: Wir frühstücken zusammen und während des Frühstücks gibt es für alle die gleiche Auswahl an Brot, Müsli, Belag und Obst. Jeder darf aus diesem Sortiment frei wählen. Und Sie als Eltern entscheiden, ob Nuss-Nougat-Creme oder Frühstückscerealien wie Schoko-Chips und Flakes dazugehören. Wenn Ihr Kind nun quengelt, können Sie sich als Eltern darauf einlassen, dass das eine oder andere Produkt nun als Ausnahme probiert werden darf. Und natürlich schmeckt es super, da es knapp gehalten wird. Ich habe festgestellt, dass Kinder schnell das Interesse verlieren, wenn es beispielsweise 1-mal im Monat eine Packung Frühstückscerealien gibt. Zwischendurch mit Milch gegessen reduziert dies gleichzeitig die Nachfrage nach Süßem. Und wenn die Packung leer ist, muss man erneut warten. Das klappt bei konsequenter Handhabe.

So wie Sie von Ihren Kindern verlangen, dass sie ein Schulbrot und ein Stück Obst mitnehmen, so sollten Sie als Vorbild vorangehen und fürs Büro selbst Obst und ein belegtes Brot dabei haben. Gleiche Verpflichtung für alle. Verlangen Sie von Ihren Kindern kein »besseres « Essverhalten als Sie selbst an den Tag legen. Das merken Ihre Kinder und empfinden Sie als ungerecht. Zu Recht! Wenn es geht, sollte auch das Mittagessen gemeinsam gegessen werden. Hier könnte eine Regel sein: Jeder darf 1-mal pro Woche ein Lieblingsgericht wählen. Jeder hat bei allem, was auf dem Tisch kommt, zu probieren. Schmeckt das Essen nicht, dann gibt es keine Extrawurst. Doch ein Brot muss dann gegessen werden, damit nicht später der Hunger kommt und um Naschzeug gequengelt wird.

Je älter Schulkinder werden, umso weniger lockt man sie mit einem Obstteller. Doch wer Obstsalat oder selbst gemachten Früchtequark oder Joghurt immer im Kühlschrank auf Vorrat stehen hat, wird feststellen, dass Kinder gerne zugreifen.

Verschiedene Arten von Regeln

Es gibt die unausgesprochenen Familienregeln. Sie werden häufig nicht wirklich besprochen, sondern sind für alle aufgrund des gelebten Alltags normal. Beispiele sind die Zeiten, wann gegessen wird. Wird dann von Pubertierenden die Regel gebrochen und es stört Sie, dann sollte darüber gesprochen werden. Vielleicht muss man dann die gemeinsamen Esszeiten verlegen oder auch akzeptieren, dass das Kind nun selbständiger wird und daher die Anzahl der gemeinsamen Mahlzeiten abnimmt. Oft möchten Eltern aber noch ein paar gemeinsame Mahlzeiten, dazu kann das Frühstück am Wochenende zählen. Hier sollten Eltern kompromissbereit sein und die Frühstückszeit in den späten Vormittag legen.

Dann gibt es Regeln, die schon von Anfang an mit einem Schulkind festgelegt werden müssen. Dazu gehört z.B. ob und wann es Nuss-Nougat-Creme gibt. Bei vielen Familien gibt es sie nur zum Frühstück oder auch nur am Wochenende. Bei anderen Familien ist Nutella fürs Schulbrot reserviert. Auch die Menge der Süßigkeiten festzulegen macht Sinn, dann müssen Eltern nicht immer ermahnen, wenn es zu viel ist. Hier kann man z. B. festlegen, dass das Kind über einen Geldbetrag verfügt und eigenständig seinen Süßkram kauft. Mir gefällt diese Regel gut, da mein Sohn sich das kaufen kann, was er will. Kinder lernen so eigenverantwortlich mit Geld, Süßigkeiten und überhaupt mit dem Thema Konsum umzugehen. Und so können Kinder das Geld auch für etwas anderes sparen und eventuell Ihr Süßbedürfnis über Obst stillen. Beim Quengeln nach Süßem kann man als Eltern immer eine klare Position beziehen: »Du willst doch Dein Geld sparen!« Und so ist die Diskussion schnell beendet. Nebenbei lernen die Kids, mit Geld umzugehen. Mein Sohn kann sich das Popcorn beim Kinobesuch nicht leisten und daher weiß er, dass er vorher auf etwas anderes verzichten muss. Meistens verliert das Popcorn an Bedeutung. Regeln können als Verträge aufgesetzt und von allen unterschrieben werden. Dabei kann es sich um komplexe Themen handeln oder um Regeln, die selten eingehalten werden. So kann z. B. ein Vertrag geschlossen werden, wer für welche Aufgaben rund ums Essen zuständig ist. Wer deckt den Tisch? Wer bringt den Müll runter? Wer räumt die Spülmaschine aus?

Routine erleichtert das Leben

Routine beim Essen ist wichtig, denn so muss das Rad nicht jeden Tag neu erfunden werden. Unser tägliches Essen besteht aus vielen Gewohnheiten. Die meisten frühstücken jeden Morgen während der Woche das Gleiche. Die einen ein Brot mit Marmelade, die anderen ein Müsli mit Obst und Joghurt. Auch unser morgendliches Getränk ist meist identisch.

Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie auch unter der Woche Rituale einführen: Am Freitag gibt es Fisch, am Samstag Eintopf und am Sonntag hat Papa Küchendienst. Um mehr Obst zu essen, könnte man den Samstagabend zum Obstsalat-Abend erklären. Hier schauen manche Familien gemeinsam fern und andere spielen zusammen Gesellschaftsspiele. Wenn es hier stets Obstsalat gibt, wird dies zu einer festen Institution. Auch kann man sich routinemäßig angewöhnen, Salatsauce in großen Mengen herzustellen und Salat gleich für mehrere Tage vor zu putzen. Dann ist stets im Handumdrehen zum Abendbrot ein Salat zubereitet. Wenn man dies routinemäßig macht, dann wird dies von allen Familienmitgliedern als Selbstverständlichkeit angenommen.

Verwöhnen durch Überraschen!

Neben Routinen haben auch Überraschungen immer ihre Berechtigung. So freut sich die Familie, wenn sie statt mit Brot und Aufschnitt mal mit überbackenen Broten oder einer Quiche überrascht wird. Mixmilch mit gesunden Beeren anstelle von Milch oder Kakao findet meist auch begeisterte Abnehmer. Und sehr reife Bananen lassen sich so gut verwerten. Mit einem Fondue oder Raclette-Abend am Wochenende in der Winterzeit oder mit einem Grillabend in den Sommermonaten begeistert man die ganze Familie. Das Essen muss dabei nicht jeden Tag auf gesundheitliche Werte durchgecheckt werden. Es soll bunt und abwechslungsreich sein und der ganzen Familie Spaß machen.

Überraschungen können auch ganz kleine Dinge sein: ein toller Becher mit den Kinohelden aus dem aktuellen Familienfilm. Neue Tischsets für die ganze Familie oder in der Weihnachtszeit ein Kerzengesteck lassen alle länger und entspannter am Tisch verweilen. Und wenn Sie ein schon bekanntes Gericht mit einem neuen und coolen Spruch begleiten, dann probiert vielleicht doch der Mäkelige noch mal und kann sich dafür begeistern.

Quelle

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