Geschmacksentwicklung – eine lebenslange Aufgabe

Wir Eltern haben großen Einfluss auf die Entwicklung des Essverhaltens unserer Kinder. Eine liebevolle Ernährungserziehung sowie das Vorbild der Eltern spielen eine große Rolle. Aber auch genetische und physiologische Voraussetzungen spielen eine Rolle.

Ein neugeborenes Kind schmeckt bereits die Geschmacksrichtungen »süß«, »sauer« und »bitter«, wobei es »süß« präferiert, »sauer« und »bitter« ablehnt. Mit vier Monaten kommen »salzig« und »umami« (bedeutet so viel wie herzhaft, fleischhaltig, eiweißreich) hinzu. Mit ca. drei Jahren ist dann die rein organische Entwicklung der Geschmacksorgane abgeschlossen, die Geschmacksentwicklung, das Prägen des Geschmacksgedächtnisses, geht allerdings lebenslang weiter. Die Geschmacksentwicklung ist ein ganz »normaler« Lernprozess:

  • Alle Geschmackserlebnisse, die positiv sind, werden schnell und nachhaltig gelernt.
  • Negative Erlebnisse führen zu einem ebenso schnellen Lernen derjenigen Geschmacksrichtungen, die dann auch als »nicht gute« Geschmackserfahrung im Gedächtnis gespeichert werden. Wie bei allen Lernprozessen spielen auch die Begleitumstände des Lernens eine große Rolle. Ebenso gibt es angeborene Geschmackspräferenzen, die sich im Laufe der Entwicklung des Menschen ausgebildet haben, die den Körper vor Gefahren schützen und auf der anderen Seite dafür sorgen, dass der Körper mit den notwendigen Stoffen versorgt wird.
  • Die Präferenz für »süß« sorgt für das Überleben, da reife, süße Früchte reich an dem Energielieferanten Zucker sind sowie reich an Mineralstoffen und Vitaminen.
  • Bittere Geschmacksrichtungen sind hingegen eher ein Hinweis auf unreif, verdorben und potentiell giftig.
  • Die Präferenz für »salzig« ist ein Hinweis darauf, dass der Körper für seinen Wasserhaushalt Natrium dringend benötigt. Auch wenn Salz in früheren Zeiten schwierig zu beschaffen war, sorgte das körperliche Bedürfnis nach salzigem Geschmack dafür, dass unsere Vorfahren nach Salz suchten, um auch überleben zu können. Diejenigen, die weder die Abneigung gegen Bitteres noch das Verlangen nach Salzigem hatten, haben nicht überlebt – wir verdanken unser Dasein unseren Vorfahren, die sämtlich »bitter« mieden und »salzig« gesucht haben. Für das Überleben war auch der Fettkonsum wichtig, zum einen als Geschmacksträger, der andere Geschmacksrichtungen verstärkt, dann aber auch als ein wichtiger Energieträger.

Die Kleinsten mögen Süßes und Fettiges

Uns ist also zunächst genetisch gegeben, Süßes und Fettiges auszuwählen, Bitteres jedoch abzulehnen – Muttermilch erfüllt diese beiden Anforderungen perfekt, verpackt mit einer großen Portion Liebe! Die gute Erfahrung, dass die Kinder mit der süßen und fetten Milch in den ersten Lebensmonaten gut gedeihen, führt dazu, dass sie während der Beikostzeit und später auch dann am Familientisch immer wieder auf der Suche nach Süßem und Fettigem sind. Wenn ein Lebensmittel süß und fettig ist, dann enthält es konzentrierte Energie. Und das ist genau das, was Kinder brauchen, denn sie haben im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht einen sehr hohen Energiebedarf und gleich zeitig einen relativ kleinen Magen, der noch nicht so große Nahrungsmengen aufnehmen kann. So brauchen Kinder Nahrungsmittel, die bei geringem Volumen viel Energie enthalten.

Der kritische Blick auf das Gemüse, den Kinder häufig zeigen, ist vor diesem Hintergrund leicht zu verstehen. Das Ablehnen von Gemüse, besonders von grünem Gemüse, ist kein Trotz gegen den Elternwillen, sondern pure Überlebensstrategie. Gemüse mit geringem Energiegehalt, das noch nicht einmal süß ist, füllt zwar den Magen, macht jedoch nicht genügend satt. So erklärt sich auch, dass zu einer Gemüsemahlzeit im Säuglingsalter ein Esslöffel Rapsöl gehört und auch die Empfehlung, gegartes Gemüse für Kinder immer mit Kohlenhydraten, Fleisch, Fisch oder Ei zu kombinieren. Gemüse als Frischkost-Fingerfood wird sehr gerne gegessen, hat aber in der Hauptsache einen spielerischen und durstlöschenden Effekt. Knabbergemüse kracht so schön, macht aber nicht satt, was aber auch nicht der Anspruch ist. Bei der warmen Mahlzeit hingegen haben die Kinder das Bedürfnis, sich zu sättigen, da reicht das pure gegarte Gemüse einfach nicht aus.

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