Lotta lernt alleine einschlafen

Lotta liebt es, im Bett vorgelesen zu bekommen und blättert auch gerne selbst in ihren Büchern herum. Christian findet ja Lottas Begeisterung für Bücher toll – aber jeden zweiten Abend eine halbe bis dreiviertel Stunde das gleiche Spiel … Jetzt, wo er sich mit Katrin mit dem ins Bett bringen abwechselt, ist ihm das doch zu viel.

  • Buch ©Daniela Sonntag

    Lotta liebt Bücher

     

Buch!“ Lotta streckt Christian Buch Nummer drei entgegen. „Lotta – zwei Bücher reichen. Jetzt leg dich schön hin und mach deine Äuglein zu. Es ist Schlafenszeit.“ Lotta denkt gar nicht daran, sich hinzulegen. „Buch!“ Sie nimmt sich ein Buch, blättert darin herum und brabbelt vor sich her. So – das kann jetzt wieder dauern. Christian merkt, dass seine Laune gerade in den Keller geht. Er fasst einen Entschluss. Lotta muss lernen einzuschlafen, ohne dass er die ganze Zeit bei ihr ist. „Ich finde, es ist immer noch viel zu früh dazu. Sie ist erst zwei Jahre. Ist es denn so schlimm, abends eine halbe Stunde bei ihr zu sein, bis sie eingeschlafen ist?“ Katrin ist genervt. Schon wieder fängt Christian mit diesem Selbstständigkeits-Mist an. „Lotta beschäftigt sich doch nach dem Vorlesen sowieso die meiste Zeit mit sich selbst im Bett. Warum muss ich da immer danebensitzen und ihr zuschauen? Ist doch Quatsch! Außerdem nervt mich das, dass ich immer selbst dabei einschlafe. Mein System ist dann runtergefahren und der ganze Abend ist versaut.“ Nach einigem Hin und Her schafft es Christian tatsächlich, dass Katrin ihr Okay gibt. Sie selbst wird allerdings nach wie vor bei Lotta bleiben, bis sie ein­geschlafen ist. Und wenn Sie nur im Ansatz das Gefühl hat, dass Lotta unter Christians Selbstständigkeitstraining leidet, wird sie dafür sorgen, dass Schluss ist damit!

Selbstständigkeitstraining Schritt 1  

Christian hat einen Plan, wie er Lotta daran gewöhnen möchte, alleine einzuschlafen – natürlich absolut schonend und ohne Zwang. Als Erstes hat er vor, Lotta nach dem Vorlesen und Gutenachtsagen keine große Aufmerksamkeit mehr zu schen­ken. Er wird sich zukünftig auch ein Buch mitnehmen und darin lesen. Lotta kann so lange in ihrem Bett das machen, wozu sie Lust hat. Als Christian am nächsten Abend sein Buch in die Hand nimmt und sich auf dem Ehebett ausstreckt (Lottas Bett steht im Übrigen immer noch direkt neben dem Elternbett …), findet Lotta das sehr spannend. „Buch!“ „Ja, Papas Buch! Du liest dein Buch und ich lese mein Buch.“ Nach ein paar Abenden hat sich Lotta daran gewöhnt, dass Papa in seinem Buch liest, während sie ihre Bücher anschaut. Christian geht es allein damit schon viel besser. Er kann sein Ding machen und Lotta macht ihrs. Wenn Lotta fertig ist mit ihren Büchern, will sie aber Christians Hand halten – so schläft sie dann ein.

Selbstständigkeitstraining Schritt 2  

Als Nächstes hat Christian vor, ab und zu das Schlafzimmer zu verlassen, während Lotta mit ihren Büchern beschäftigt ist. „Lotta, ich bin mal kurz draußen und komm gleich wieder.“ Lotta schaut kurz auf und spielt dann weiter mit ihrem Buch. Das erste Mal kommt Christian nach ein paar Augenblicken wieder zu Lotta und liest weiter. Mit der Zeit dehnt er seine „Ausflüge“ aus. Wenn er hört, dass Lotta sich beschwert, geht er zu ihr. Nach drei Wochen kann Christian oft die ganze Zeit, während Lotta in ihren Büchern blättert, im Wohnzimmer verbringen. Wenn Lotta dann schlafen möchte, ruft sie ihn.  

Selbstständigkeitstraining Schritt 3  

Jetzt soll Lotta lernen, ohne Händchenhalten einzuschlafen. Dazu löst er Lottas Griff während des Einschlafens immer wieder, sagt dabei ein paar beruhigende Worte. Greift Lotta wieder zu seiner Hand, lässt er das zu und zieht sie nach einer Weile wieder behutsam weg. Nach zwei Wochen beruhigt Christian Lotta das erste Mal nur noch durch seine Stimme und Lotta schläft ein. Das klappt die nächsten Wochen immer zuverlässiger.

Selbstständigkeitstraining Schritt 4  

Jeden Abend, wenn Christian Lotta nun zu Bett bringt, setzt er sich beim Einschlafen ein bisschen weiter weg von ihr. Er versucht, möglichst wenig mit Lotta zu reden – er ist einfach da. Fängt Lotta an zu weinen, dann geht Christian sofort zu ihr und beruhigt sie. Lange lässt Lotta Christian nicht weiter weg als bis zur Bettkante des Ehebettes. Nach ca. sechs Wochen rückt Christian mit seinem Stuhl immer ein wenig mehr in Richtung Tür – bis er nach weiteren zwei Wochen vor Lottas Kinderzimmer sitzt, so lange, bis sie eingeschlafen ist.

Insgesamt dauert es vier Monate, bis Chris­tian das erste Mal nach dem Gutenachtkuss Lottas Zimmer verlässt und Lotta ohne weiteren Beistand einschläft. „Siehst du – es hat geklappt! Und Lotta hat nicht gelitten!“ Christian ist richtig stolz auf sich und seine Tochter. „Toll, Christian!“ Katrin lächelt Christian an und verkneift sich einen Kommentar. Sie bleibt jedenfalls nach wie vor bei Lotta, bis sie schläft. Aber Christian ist ja auch ein Strukturist. Den muss sie als Empathist nicht vollkommen verstehen.

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