• Schussverletzungen – Diagnostik und Therapie in der Präklinik

     

Schussverletzungen – Diagnostik und Therapie in der Präklinik

In den letzten 15 Jahren erfolgten in Deutschland mehrere Amokläufe, bei denen Personen durch Schüsse getötet und verletzt wurden. Den meisten Lesern werden die Amokläufe in Erfurt 2002, in Emsdetten 2006, in Winnenden 2009, in Lörrach 2010 sowie im Juli 2016 in München noch in Erinnerung sein. Allein bei diesen 5 Amokläufen kamen über 40 Menschen ums Leben, über 70 weitere wurden verletzt.

Dennoch sind Schussverletzungen in Deutschland relativ selten und weit entfernt von der Häufigkeit in den USA, für die die Anzahl an nicht tödlichen Schussverletzungen (sogenannte „nonfatal gun-related injuries“) allein für 2014 mit 81 034 angegeben wird. Daher haben die meisten präklinisch und klinisch in der Notfallmedizin tätigen Ärzte in Deutschland eine sehr geringe Erfahrung mit Schussverletzungen und deren Auswirkungen auf den menschlichen Körper.

Im Folgenden soll dem Leser ein Basiswissen zu Schussverletzungen vermittelt werden, das es ihm erleichtert, das Ausmaß und die Folgen einer Schussverletzung einzuschätzen und die richtigen diagnostischen und therapeutischen Schritte einzuleiten.

Schusswaffen und Munition

Das deutsche Waffenrecht unterteilt Schusswaffen in Lang- und Kurzwaffen:

  • Langwaffen sind demnach definiert als Schusswaffen, bei denen die Länge von Lauf und Verschluss mindestens 30 cm beträgt und die eine bestimmungsgemäß verwendbare Gesamtlänge von mindestens 60 cm aufweisen.
  • Zu den Kurzwaffen gehören die Faustfeuerwaffen Pistole und Revolver, während Gewehre zu den Langwaffen zählen.


Das Kaliber gibt den Diameter des Projektils an. Gewöhnlich erfolgen die Kaliberangaben in Millimeter oder als Dezimalangabe eines Zolls (2,54 cm), wobei die 0 vor dem Komma in der Regel weggelassen wird. Beispiele hierfür sind die Kaliberangaben 38 (9,7 mm) oder 22 (5,6 mm).

Die Pistolen der Polizei in den verschiedenen Bundesländern und in der Bundeswehr haben ein Kaliber von üblicherweise 9 mm. Das weltweit gebräuchlichste Munitionskaliber für Pistolen ist 9 × 19 mm. Pistolen sind vor allem über kürzere Distanzen geeignet.

Bei den Gewehren haben sich im militärischen Bereich vor allem die Kaliber 5,56 mm und 7,62 mm durchgesetzt. Die Sturmgewehre der internationalen Streitkräfte sind Automatikwaffen, bei denen durch das Abfeuern eines Schusses die Hülse ausgeworfen und dem Patronenlager eine neue Patrone aus dem Magazin zugeführt wird. Beim Halten des Abzugs werden weitere Schüsse gelöst, bis der Abzug losgelassen wird. Auch Maschinengewehre sind Automatikwaffen. Davon zu unterscheiden sind klassische Jagdgewehre und Sportwaffen, bei denen für jeden Schuss der Abzug betätigt und das Patronenlager manuell geladen werden muss. Gewehre geben dem Projektil durch den längeren Lauf eine höhere Stabilität. Auch dadurch eignen sich die Gewehre für den Einsatz auf längere Distanz.

In die Schusswaffen werden Patronen eingelegt. Die Patrone besteht aus einer Hülse, an deren Spitze das Projektil steckt. Der Zündbolzen der Waffe trifft auf das Zündelement der Hülse an der Basis der Patrone. Es kommt zur Explosion der Treibladung in der Hülse, wodurch das Projektil durch den Waffenlauf katapultiert wird. Durch die spiralförmig geschliffenen Züge des Laufes bekommt das Projektil einen stabilisierenden Drill quer zur Flugrichtung.

Bei den Projektilen gibt es verschiedene Typen. Erwähnt werden sollten hier:

  • Vollgeschosse,
  • Vollmantelgeschosse,
  • Teilmantelgeschosse,
  • Teilmantelgeschosse mit Lochspitze.

Vollgeschosse aus Blei werden z. B. bei Luftgewehren eingesetzt. Vollmantelgeschosse (englisch: Full Metal Jacket) werden vor allem im militärischen Bereich eingesetzt. Der innere Kern aus Blei wird dabei von einem härteren Metall umgeben. Hierdurch wird die Verformung des Projektils nach Eintreffen im Ziel vermieden. Gemäß der Haager Landkriegsordnung von 1899 sind in den Armeen Projektile untersagt, die sich ausdehnen oder verformen. Bei Teilmantelgeschossen bzw. Teilmantelgeschossen mit Lochspitze ist die Ummantelung des Bleikerns an der Spitze unvollständig bzw. es besteht eine Aushöhlung an der Projektilspitze. Hierdurch kommt es nach dem Eindringen des Projektils in den Körper zu einer raschen pilzförmigen Deformierung. Teilmantelgeschosse werden häufig von der Polizei eingesetzt. Sie haben eine hohe Wirkung im Ziel, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Zielkörper durchdringen und so z. B. weitere Personen hinter der Zielperson treffen, wird durch die rasche Verformung deutlich reduziert. Die Geschosse werden abhängig von der Geschwindigkeit des Projektils an der Waffenmündung als „Low-Velocity“- oder „High-Velocity“-Geschosse bezeichnet. Dabei haben „Low-Velocity“-Geschosse eine Mündungsgeschwindigkeit von unter 600 m/s und „High-Velocity“-Geschosse eine Mündungsgeschwindigkeit von über 600 m/s. Allerdings ist diese genannte Unterteilung rein willkürlich und leider in der Literatur sehr inkonstant. Vor allem beim Einsatz mit Gewehren werden „High-Velocity“-Geschosse verwendet, während bei Pistolen und Revolvern klassisch „Low-Velocity“-Geschosse zum Einsatz kommen.

 

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Aus der Zeitschrift Notfallmedizin up2date 04/2017

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