• Prähospitale Immobilisation der Wirbelsäule - Notfallmedizin - Georg Thieme Verlag

     

Prähospitale Immobilisation der Wirbelsäule

Verletzungen von Wirbelsäule und Rückenmark treten gehäuft bei polytraumatisierten Patienten auf. Da die Möglichkeiten der Diagnostik prähospital deutlich eingeschränkt sind, müssen derartige Verletzungsmuster durch den Notfallmediziner antizipiert werden. Dieser Artikel stellt wesentliche Befunde im Kontext der Wirbelsäulenverletzung dar und nennt Indikationen und Limitationen sowie etablierte Techniken zur prähospitalen Immobilisation der Wirbelsäule.

Aufgrund der prähospital eingeschränkten Möglichkeiten müssen bei der Versorgung von Traumapatienten Verletzungsmuster antizipiert werden. So ist bei relevanter Traumakinetik auch stets an eine Beteiligung der Wirbelsäule zu denken, zumal Verletzungen dieser in bis zu 48% der Fälle erst nach der Klinikaufnahme erkannt werden.

Wirbelsäulentraumata gehen gehäuft mit einer Polytraumatisierung (Injury Severity Score/ISS ≥ 16) des Patienten einher. So weisen 33,6% dieser Schwerverletzten eine ernsthafte Schädigung (Abbreviated Injury Scale/AIS ≥ 2) der Wirbelsäule auf. Eine begleitende Läsion des Rückenmarks mit neurologischem Defizit ist bei jedem 13. dieser Patienten zu erwarten.

MERKE
Wirbelsäulenverletzungen sind häufig Teil einer Mehrfachverletzung bzw. Polytraumatisierung und klinisch nicht bzw. nicht sicher zu erkennen.

Verkehrsunfälle und Stürze aus großer Höhe liegen dabei am häufigsten als ursächliche Traumamechanismen zugrunde. Eine Analyse schwerer Wirbelsäulentraumata (AIS ≥ 3) zeigte eine annähernd gleiche Verteilung der Verletzungen auf die Hals- (34%), Brust- (40%) und Lendenwirbelsäule (31%). Besonders verletzungsgefährdet sind hierbei die biomechanischen Übergänge (kraniozervikal, zervikothorakal und thorakolumbal).

MERKE
An die Möglichkeit einer begleitenden Wirbelsäulenverletzung zu denken ist DER primär entscheidende Schritt bei der prähospitalen Versorgung von Traumapatienten.

Bei vorliegendem Verdacht müssen Maßnahmen zur Ganzkörperimmobilisation durchgeführt werden. Nachfolgend werden Immobilisationstechniken der Wirbelsäule inkl. deren Vor- und Nachteile beschrieben.

Ziel und Zweck

MERKE
Die Wirbelsäulenimmobilisation wird gemäß den aktuellen Leitlinien und Empfehlungen angewendet, um mögliche Sekundärschäden durch Rettung und Transport zu vermeiden, auch wenn für diese Maßnahmen keine hohe Evidenz besteht.

Maßgeblich für die Auswahl des Immobilisationsverfahrens sind:

  • der Patientenzustand,
  • das Einsatzumfeld,
  • die Erfahrung des Rettungsteams sowie
  • die Ausstattung des Rettungsmittels.

Während bei akut vital bedrohten Patienten (A/B/C/D-Problem) bzw. gegenwärtiger Gefahrenlage am Einsatzort (z. B. brennendes Fahrzeug) die schonende Rettung mit Schutz der Wirbelsäule in den Hintergrund tritt, so hat sie unter kontrollierten Einsatzbedingungen und bei vital stabilen Patienten höchste Priorität. Die Übersicht „Verfahren der Rettung“ beschreibt die unterschiedlichen Vorgehensweisen anhand des Patientenzustandes.

ÜBERSICHT

Verfahren der Rettung

  • sofortige (Crash-) Rettung: bei akuter Lebensgefahr (keine WS-Immobilisation möglich)
  • schnelle Rettung: bei potenziell kritischen Patienten (weitestmögliche Schonung der Wirbelsäule)
  • schonende Rettung: bei stabilem Patientenzustand (Fokus auf konsequente Wirbelsäulenimmobilisation)

Die sinnvolle Auswahl und Planung des Immobilisationsverfahrens sowie die Kommunikation im Team sind von allergrößter Bedeutung für den Erfolg der Maßnahme.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag Indikationen und essenzielle Techniken zur prähospitalen Immobilisation der Wirbelsäule.

Aus der Zeitschrift Der Notarzt 06/2018.

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