• Medizinische Versorgung für Asylbewerber

     

Medizinische Versorgung in einer Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber

Die Aufgabe, Flüchtlinge in Deutschland zu versorgen, hat in der zweiten Jahreshälfte 2015 eine unerwartete Größenordnung erreicht. Eine Herausforderung für den Rettungsdienst besteht darin, neben der Abwehr von Lebensgefahr oder schwerer gesundheitlicher Schäden, bei vermeintlichen Notfällen Flüchtlinge in eine angemessene Weiterversorgung zu lenken.

Die medizinische Situation

Flüchtlinge und Migranten weltweit und in Deutschland Weltweit waren im Jahr 2014 fast 60 Mio Menschen auf der Flucht. Davon hatten 19,5 Mio eine Staatengrenze überschritten und galten deshalb nach völkerrechtlicher Definition als Flüchtlinge. Da die meisten Flüchtlinge lediglich in ein angrenzendes Nachbarland fliehen, leben 9 von 10 Flüchtlingen (86 %) in sogenannten „Entwicklungsländern“. Kriegerische Konflikte und andere Ursachen für Flucht und Vertreibung finden häufiger in unmittelbarer Nähe Europas statt und die Zahl von Menschen, die nach Europa flüchten, steigt. In Deutschland wurden 2013 127 000 Asylanträge gestellt, in 2014 203 000 und in 2015 bis Ende November 425 000. Dieser Anstieg spiegelt die Zahl der in Deutschland befindlichen Flüchtlinge nur unvollständig wieder, denn die Wartezeiten bis zum Stellen eines Asylantrages haben zugenommen. Verfolgte und Vertriebene werden häufiger Patienten des Rettungsdienstes in Deutschland. Deren besondere Situation und die Beschränkungen bei der allgemeinen Gesundheitsversorgung sind auch für den Rettungsdienst relevant.

Krankheitsspektrum ist ähnlich Menschen mit Migrationshintergrund haben insgesamt ein ähnliches Krankheitsspektrum wie die Mehrheitsbevölkerung, auch wenn Krankheiten mit unterschiedlicher Häufigkeit auftreten. Dieses spiegelt sich auch bei der primärärztlichen Versorgung in Deutschland ankommender Flüchtlinge wieder. Sorgen von Notärzten und Rettungsfachpersonal vor Infektionsgefährdung bei der Versorgung von Flüchtlingen sind deshalb nicht mehr und nicht weniger begründet, wie bei der Versorgung anderer Patienten. Die Auswahl der Hygienemaßnahmen sollte sich nicht am Aufenthaltsstatus des Patienten orientieren, sondern an der Einsatzsituation, der Vorgeschichte und den medizinischen Befunden.

Spezifische Gesundheitsrisiken bei Migranten und besonders bei Flüchtlingen Die unterschiedliche Häufigkeit des Auftretens verschiedener Krankheiten bei Menschen mit Migrationshintergrund resultiert aus spezifischen Gesundheitsrisiken, die bei Deutschen ohne Migrationshintergrund nur in Ausnahmefallen vorkommen oder selten geworden sind. Von derartigen Gesundheitsproblemen sind besonders Flüchtlinge betroffen. Mangelnde oder fehlende Gesundheitsversorgung im Herkunftsland und während der Reise, Folter, lebensgefährliche Reisebedingungen und weitere Einschränkungen bei den Grundbedürfnissen verursachen besonders bei Flüchtlingen spezifische körperliche und psychische Gesundheitsprobleme.

Anderes Nutzungsverhalten bei Gesundheitsleistungen Menschen mit Migrationshintergrund weisen auch bei Gesundheitsproblemen, die denen der Mehrheitsbevölkerung ähneln, ein anderes Nutzungsverhalten bei Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen auf. Dieses unterschiedliche Nutzungsverhalten ist ein Gegenstand der Migrationsforschung und kann teilweise durch kulturelle Unterschiede erklärt werden. Bei Flüchtlingen ist ein weiterer Effekt relevant. Unterschiedliche strukturelle Rahmenbedingungen regeln den Zugang zur Gesundheitsversorgung. Im Vergleich zur Mehrheitsbevölkerung ist dieser eingeschränkt.

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Aus der Zeitschrift Der Notarzt 1/2016

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