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EuReCa ONE

Der erste Schritt auf dem Weg zu einem europäischen Reanimationsregister

Der außerhalb des Krankenhauses eingetretene Kreislaufstillstand (out of hospital cardiac arrest, OHCA) ist ein wesentliches Gesundheitsproblem in Europa und den USA. In Nordamerika, Japan und der asiatischen Pazifikregion gibt es bereits Register, welche die Beschreibung von Veränderungen der Epidemiologie des OHCA ermöglichen. Ein europaübergreifendes Register existiert bisher nicht. Daher ist wenig über die Epidemiologie des OHCA in Europa bekannt. Um diese Lücke zu schließen, wurden für die EuReCa ONE-Studie Reanimationsdaten aus 27 Ländern im Hinblick auf Inzidenz, Verlauf und Outcome des OHCA ausgewertet.

Eingeschlossen wurden Patienten, die im Oktober 2014 einen OHCA erlitten hatten und vom Rettungsdienst betreut wurden. Die Daten stammten aus regionalen und nationalen Registern, aus der Notfalldokumentation oder von Dokumentationsbögen. Sie wurden von einem nationalen Koordinator gesammelt, anonymisiert und verschlüsselt an das Studienmanagement-Team gesandt.

Für die statistische Auswertung wurden die erfassten Inzidenzen auf die Inzidenz für 100 000 Personen pro Jahr errechnet. In Ländern, in denen nur einzelne Regionen teilnahmen, erfolgte die Auswertung auf Basis der regionalen Bevölkerung. Als Überleben wurde ein Überleben nach 30 Tagen oder vorherige Krankenhausentlassung definiert.

10 682 Patienten mit außerklinischem Kreislaufstillstand wurden in 248 Regionen der 27 Länder eingeschlossen. Das deckt eine Bevölkerung von etwa 174 Millionen ab, 34 % der in diesen Ländern lebenden Personen. In 7146 Fällen wurde eine Reanimation begonnen. Die Inzidenz des OHCA betrug 84,0 pro 100 000 Personen/Jahr. Das mittlere Patientenalter war 66,5 Jahre. Männliche Patienten waren in der Überzahl (66,3 %). 54,4 % der OHCA wurden von Beistehenden beobachtet, 11,9 % vom Rettungsdienst. Bei 91,4 % der OHCA wurde eine medizinische Ursache (inklusive kardialer Ursachen) angenommen, 4,1 % waren traumatisch bedingt. Ein defibrillierbarer Rhythmus lag in 22,2 % vor, mit einer weiten Streuung von 4,4 bis 50 %.

Für den Wiedereintritt eines Spontankreislaufes wurden stark variierende Zahlen übermittelt. Das Mittel für alle Länder lag bei 28,6 % (9,0–50,0 %). 64 % der Patienten, bei denen eine Reanimation begonnen wurde, verstarben am Einsatzort oder während des Transportes. Ein Viertel (25,2 %) der Patienten wurde mit Kreislauf ins Krankenhaus eingeliefert. 10,7 % erreichten das Krankenhaus unter Reanimationsbedingungen. 42 % der mit Kreislauf eingelieferten Patienten überlebten, 4,8 % der unter Reanimation Eingelieferten. Für alle ins Krankenhaus Eingelieferten betrug das Überleben 33 %. Für alle begonnenen Reanimationen betrug das Überleben 10,3 %. Auch hier war die Variation mit 1,1 bis 30,8 % groß.

Als besonders vergleichbare Patientengruppe (Utstein Comparator Group) werden in Bezug auf Reanimationen Patienten betrachtet, deren vermutlich kardial bedingter Kreislaufstillstand beobachtet wurde und die initial ein Kammerflimmern aufweisen. Sie haben eine besonders hohe Überlebenschance. 12,5 % aller Patienten erfüllten diese Kriterien. Sie erlangten in 56,8 % wieder einen Kreislauf, 29,7 % überlebten.

Die in dieser Untersuchung gefundene Inzidenz von 84 OHCA pro 100 000/Jahr liegt im Bereich von bisher berichteten Inzidenzen. Bei 49 von 100 000 Patienten/Jahr wurde durch Laien oder anwesendes Rettungsdienstpersonal eine Reanimation begonnen. Das ist deutlich höher als vor 10 Jahren (38 pro 100 000/Jahr).

Bei 22,2 % der reanimierten Patienten lag ein defibrillierbarer Rhythmus vor, vor 10 Jahren waren es 43,9 %. Eine ähnliche Abnahme dieser Zahlen wird aus anderen Studien aus Europa und den USA berichtet.

Für die Utstein Comparator Group als uniforme Patientenpopulation wäre zu erwarten, dass die Zahlen für diese Gruppe eine geringere Variabilität aufweisen. Dies ist mit 6 bis 55 % Überlebensrate jedoch nicht der Fall.

Die Autoren betonen aufgrund der großen Varianz der berichteten Inzidenzen und Outcomes, dass Rückschlüsse auf tatsächliche biologische Patientenfaktoren oder auf Aspekte der Versorgung von OHCA in den einzelnen Ländern nicht möglich sind. Als Erklärungsansätze werden Unterschiede im Prozess der Datensammlung und die zeitliche Beschränkung auf einen Monat genannt. Zudem ist davon auszugehen, dass legale, kulturelle und religiöse Einflüsse ebenso wie die Verfügbarkeit des Rettungsdienstes Einflüsse auf die Bereitschaft zu dessen Aktivierung und den Beginn der Reanimation durch die Bevölkerung haben.

Gräsner JT et al. EuReCa ONE – 27 Nations, ONE Europe, ONE Registry: A prospective one month analysis of out-of-hospital cardiac arrest outcomes in 27 countries in Europe. Resuscitation 2016; 105: 188 – 195

Aus der Zeitschrift Notfallmedizin up2date 01/2017

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