• Ente

     

Kinder, Klinik, Karriere – Familienfreundlicher Arbeitsplatz gesucht

Das süße Bild mit Entchen kann täuschen: Als Arzt oder Ärztin zu arbeiten und gleichzeitig gute Eltern zu sein, ist ein Knochenjob. Andererseits sind die äußeren Bedingungen besser geworden, und auch bei der Wahl des Arbeitgebers kann man auf einige Punkte achten.

Jede Familie ist ein Fall für sich

Susanne und Andreas Dacher[*] bekamen ihr 1. Kind nach 15 Monaten Weiterbildung. „Vielleicht wäre es für die Karriere einfacher gewesen, erstmal 3–4 Jahre zu arbeiten, bevor man schwanger wird“, sagt Susanne Dacher. „Aber bei uns lief es halt anders. Ich bereue es nicht, und wir wurschteln uns so durch.“ 3 Jahre später wurden ihre Zwillinge geboren, und gerade, als sie einen Kitaplatz hatten, musste die Familie Andreas' Chef hinterherziehen, der in eine andere Stadt wechselte. Das ist inzwischen 3 Jahre her. Andreas Dacher hat seinen Facharztabschluss in Unfallchirurgie, Susanne Dacher wird für ihre Weiterbildung in der Inneren noch 2–3 Jahre brauchen.


Kinder lieber früh?

Friederike Lutzows erstes Kind kam sogar schon im PJ. „Das 2. Staatsexamen habe ich dann um ein Semester verschoben, damit ich genug Zeit hatte zu lernen“, erzählt sie. Bei Antritt ihrer ersten Stelle war sie dann schon mit dem 2. Kind schwanger. „Der Deal war: Ich bekomme die Stelle, bleibe aber nach der Geburt nur 4 Monate zuhause.“ Inzwischen haben die Lutzows 4 Kinder im Alter von 2–9 Jahren, und nur dank der beiden Omas konnte Friederike jeweils nach max. 1 Jahr wieder arbeiten – momentan zu 25 % in der Ambulanz einer Kinderklinik. Michael Lutzow ist Facharzt in der Chirurgie. „Natürlich haben wir eine traditionellere Aufteilung als viele in unserem Freundeskreis“, meint Friederike. „Aber ein Arzt mit 100 %-Stelle, Diensten etc. ist bei 4 Kindern schon stressig genug – und mein Facharzt läuft ja nicht weg.“


Kinder lieber später?

Silvia Krucke dagegen hatte ihre Weiterbildung Allgemeinmedizin fast abgeschlossen, als sie schwanger wurde. „Ich habe damals ausgerechnet: Wenn ich voll weiterarbeite, bin ich bis zum Mutterschutz gerade mit der Pflicht-Zeit fertig“, sagt sie. „Die Facharztprüfung habe ich dann in der Elternzeit abgelegt.“ Ihr Mann Jens hat als Ingenieur auch sehr lange Arbeitstage, sodass Silvia die inzwischen 2 Kinder (2 Jahre bzw. 4 Monate alt) größtenteils allein versorgt. „Ich nenne mich manchmal funktional alleinerziehend“, meint sie scherzhaft. Ihre Chefin aus der Weiterbildung hat sie nach der Geburt des 1. Kindes neu eingestellt – als Fachärztin in 30 % Teilzeit, unbefristet. „Sie hatte gesucht, aber keinen Ersatz für mich gefunden“, sagt Krucke. „Mir kam der Ärztemangel also wirklich zugute!“


Wie man's macht, macht man's richtig

Aus diesen Beispielen wird deutlich: Die Patentlösung für Beruf und Familie gibt es nicht. Wann man Kinder bekommt, wie viele und wie man das Leben drumherum organisiert, muss jedes Paar allein entscheiden. Wenn es dann aber soweit ist, sollten Sie wissen, was Ihnen zusteht. Wir geben einen kurzen Überblick.

 

Auf was Sie Anspruch haben

Rund um die Schwangerschaft

Mutterschutz

Ziel des Mutterschutzes ist es, werdende und stillende Mütter vor Gefahren am Arbeitsplatz, finanziellen Einbußen und Kündigung zu schützen. Klingt gut – trotzdem haben viele schwangere Ärztinnen ein zwiespältiges Verhältnis zum Thema, denn in der Praxis legen Vorgesetzte und Arbeitgeber den Schutz bisher sehr unterschiedlich aus. Manche Frauen müssen Dinge tun, die sie selbst als riskant ansehen (z. B. Umgang mit potenziell infektiösen Patienten), die meisten haben aber das gegenteilige Problem: Sie dürfen vieles nicht mehr, was sie gern tun würden, und können während der Schwangerschaft notwendige Weiterbildungsinhalte nicht absolvieren.

Auch Silvia Krucke erlebte Widersprüchliches: „Ich war parallel in 2 Hausarzt-Praxen angestellt. Die eine Chefin hatte kein Problem, mich weiter voll einzusetzen – nur Nachtdienste musste ich keine machen. Die andere war übertrieben besorgt: Ich durfte z. B. keine akut Erkrankten mehr behandeln und keine Hausbesuche machen – dafür viel Büroarbeit.“

Typische Risiken am ärztlichen Arbeitsplatz sind u. a.:

  • Stechen und Schneiden mit potenzieller Verletzungsgefahr
  • infektiöse Substanzen (Blut, Urin, Stuhl, Speichel etc.)
  • langes Stehen und schweres Heben
  • giftige Narkosegase
  • Zytostatika
  • ionisierende Strahlen und radioaktive Substanzen
  • Auch Mehrarbeit > 8,5 h/Tag, Arbeit nach 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen waren bisher ausdrücklich verboten.

 

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Aus der Zeitschrift lege artis 6/2016

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