• Burnout-Ärzte in Weiterbildung-Georg Thieme Verlag

     

Burnout bei Ärzten: Die Balance bewahren

Burnout war etwa bis 2012 medial omnipräsent. Seitdem wird es immer ruhiger um das Thema. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Syndrom in der Realität des therapeutischen Alltags auf dem Rückzug ist. Besonders der Arztberuf bringt viele Belastungen mit sich – werden Warnhinweise nicht ernst genommen, kann es schnell zu einer Überlastung kommen. Mit verschiedenen Strategien können Betroffene das innere Gleichgewicht wiederfinden und so Burnout vermeiden.

Symptome

Bezug zur Arbeitswelt | Es gibt keine allgemein gültige Definition für Burnout. Über 160 Symptome werden damit in Verbindung gebracht; mal werden 3, mal 12 Stadien der Erkrankung beschrieben.

Sicher besteht jedoch ein Bezug zu Problemen mit der eigenen Arbeitswelt, den die Betroffenen empfinden.

Es kann sich dabei um einen kausalen Zusammenhang handeln oder um eine weit verbreitete Projektion. Einigkeit besteht über folgende 3 Hauptkriterien:

 

  1. Emotionale Erschöpfung: Diese lässt sich rasch erkennen. Sätze wie „Ich kann nicht mehr“, „Ich fühle mich völlig leer“, „So kann es nicht weitergehen“ weisen den Weg. Dieses Ausgelaugtsein trifft häufig gemeinsam mit der Unfähigkeit auf, sich in der Freizeit zu entspannen.
  2. Depersonalisation und Zynismus: Depersonalisation zeigt sich durch die zunehmende Schwierigkeit, eigene Gefühle differenziert wahrzunehmen. Das Leitgefühl für Burnout dominiert: die Unzufriedenheit. Dies ist auch einer der wesentlichen Unterschiede zur Depression. Im ärztlichen Bereich weit verbreitet ist der Zynismus, wenn es z. B. um die „Lunge auf Zimmer 13“ oder „das alte Muttchen, das ein Lätzchen braucht“ statt um die Patienten geht.
  3. Leistungsabnahme


Somatische Hinweise | Diese finden sich in jeder Phase von Burnout, weshalb aus ihnen nicht auf den Krankheitsfortschritt geschlossen werden kann. Dazu zählen:

  • chronische Schmerzen
  • Schlafstörungen
  • Verspannungen
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • kardiale Symptome wie Herzrasen
  • Schwindel
  • Tinnitus
  • vermeintlicher Bandscheibenvorfall
  • gehäufte Banalinfektionen
  • Zähneknirschen

 

Verlauf

Variabler Ablauf | Es gibt keinen sicher reproduzierbaren Ablauf von Burnout. Dennoch zeigt die Praxiserfahrung, dass folgende 3 Phasen regelhaft auftreten:

Phase I: Anfangsphase | Gerade zu Beginn ist Burnout gut zu erkennen, wenn auf das Leitsymptom geachtet wird: die Hyperaktivität. In dieser Phase sind die Betroffenen noch überaus aktiv, tun mehr als sie müssten und aalen sich geradezu in ihrem Erfolg. So z. B. der junge Assistenzarzt, der am liebsten ununterbrochen in der Klinik weilen würde oder die niedergelassene Ärztin, die davon überzeugt ist, unverzichtbar zu sein und sich keinen Urlaub gönnt.

Die pathologische Note solcher Einstellungen wird von den Betroffenen negiert, Idealismus wird hochgehalten.

Aber bereits jetzt manifestieren sich Unzufriedenheit und Stimmungsschwankungen. Oft suchen und finden die Betroffenen Kompensationsmaßnahmen im Materiellen.

Phase II: Übergangsphase | Das Verhalten wechselt zu einem Rückzug auf vielen Ebenen. Nun werden Menschen und Kontakte gemieden, Freundschaften aufgegeben. Ziele fehlen, Dienst nach Vorschrift wird zur Regel – auch in der eigenen Praxis. Konzentrationsschwäche und vermehrte ärztliche Kunstfehler können auftreten. Die Gefühlswelt wendet sich komplett der Negativseite zu:

  • Unlust
  • Erschöpfung
  • innere Leere
  • Angst
  • Schuld- und Versagensgefühle

 

Gerade bei Ärzten tritt häufig das Gefühl auf, vom System, der Klinik und den Patienten ausgenutzt zu werden.

Phase III: Endphase | Bei voller Ausprägung kann Burnout nicht mehr von einer manifesten Depression unterschieden werden – vermutlich geht es in diese über. Allgemeines Desinteresse an der Umwelt dominiert und das Denken wird starr. Die Betroffenen empfinden existenzielle Verzweiflung, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit.

Spätestens in dieser Phase treten Süchte und Suizidneigung auf.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Burnout bei Ärzten: Die Balance bewahren

Aus der Zeitschrift: Deutsche Medizinische Wochenschrift

 

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