• Schlafmangel, Behandlungsfehler, Gefährdung, Studie

     

Schlafmangel – Einfluss auf Kommunikation und Interaktion im Team?

Menschliches Versagen in der Medizin kann zu Behandlungsfehlern führen und hat somit weitreichende Konsequenzen für unsere Patienten. Nach einer Auswertung von Schadensfällen des „US Institute of Medicine“ sterben in den USA zwischen 44 000 – 98 000 Patienten jährlich an den Folgen von Behandlungsfehlern.

Besonders in der Anästhesie kann Schlafentzug durch Überlastung und Schichtdienst den perioperativen Workflow gefährden und zu mangelnder Aufmerksamkeit führen. Mehrere Studien haben den Einfluss von Schlafentzug auf die manuellen Fertigkeiten untersucht und konnten zeigen, dass sowohl Aufmerksamkeit als auch die Geschwindigkeit bei Routinetätigkeiten deutlich nachlassen. Interessanterweise war die Durchführung schwieriger Prozeduren, wie z. B. die Anlage eines PDKs als auch die Reaktion in Notfallsituation hiervon nicht beeinträchtigt.

Doch für eine strukturierte und sichere Patientenversorgung im OP sind auch Kommunikationsverhalten, Sozialkompetenz, Ressourcenausschöpfung und die Leitung eines Teams wichtig. Es müssen Entscheidungen sicher getroffen, Aufgaben verteilt und die Teamarbeit gefördert werden. Unabhängig von den manuellen Fähigkeiten eines Anästhesisten sind diese Eigenschaften in Notfallsituationen besonders gefragt. In vorausgegangenen Studien gibt es Hinweise, dass Schlafentzug die erwähnten sog. nicht technischen Fähigkeiten stark beeinflussen und eine mangelnde situative Aufmerksamkeit zu gravierenden Behandlungsfehlern führen kann. Nicht medizinische Bereiche, wie z. B. das Flugverkehrswesen und Industriebereiche mit Gefahrstoffverarbeitung, versuchen, dem erhöhten Risiko durch menschliches Versagen über zahlreiche Sicherheitsalgorithmen Rechnung zu tragen. Auch in der Medizin werden immer mehr Notfallsituationen durch Simulation und Team-Training optimiert.

Kliniker und Wissenschaftler aus Frankreich führten mit der Hypothese, dass Schlafentzug den Abruf der erwähnten Soft Skills in simulierten Notfallsituationen verzögert, eine Pilotstudie durch. Als sekundäre Endpunkte wurden auch der Einfluss von Schlafmangel auf manuelle Fähigkeiten, Wachheit und Selbstbewusstsein untersucht.

Es wurden 20 Anästhesisten, die an akademischen Lehrkrankenhäusern in Paris tätig waren, in 2 Gruppen (Gruppe 1: Schlafentzug durch Nachtdienst, Gruppe 2: normaler Schlaf zu Hause) randomisiert. In einer Simulationsumgebung wurde eine Notfalleinleitung für eine chirurgische Laparotomie bei Peritonitis präsentiert, bei der als Komplikation ein anaphylaktischer Schock nach Gabe von Succinylcholin auftritt. Während des Notfallmanagements wurde die Situation für den Probanden zusätzlich durch das Erscheinen des chirurgischen Teams erschwert, das im Rahmen der Simulation versuchte, den Handlungsablauf durch Diskussion über das weitere Management (Operation vs. Intensivtherapie) zu stören.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Schlafmangel – Einfluss auf Kommunikation und Interaktion im Team?

Aus der Zeitschrift: AINS 02/2018

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